Cochrane Kompakt

Welche Wirkungen haben Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern?

22 hours 19 minutes ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Medikamente zur Vorbeugung von Knochenschwund (Bisphosphonate) das Risiko für Hüft-, Wirbelsäulen- oder andere Knochenbrüche bei Männern senken.

  • Diese Medikamente verursachen bei Männern wahrscheinlich nicht mehr unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende Gesundheitsprobleme als eine Scheinbehandlung (Placebo).

  • Für andere Medikamente (Analoga des Parathormons (PTH) und des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP), Denosumab und Romosozumab) zeigen sich ähnliche Ergebnisse. Bei PTH-/PTHrP-Analoga besteht jedoch große Unsicherheit hinsichtlich unerwünschter Wirkungen.

Was ist Osteoporose und in welchem Zusammenhang steht sie mit Knochenbrüchen bei Männern?

Knochenverlust (Osteoporose) liegt vor, wenn die Knochendichte abnimmt, sodass die Knochen weniger stabil sind und leichter brechen. Knochenbrüche treten besonders häufig an der Hüfte, der Wirbelsäule und anderen Knochen auf. Bei älteren Menschen entstehen solche Knochenbrüche häufig schon durch einen Sturz aus dem Stand oder aus geringer Höhe. Solche Frakturen können zu lang anhaltenden Schmerzen, zum Verlust der Selbstständigkeit, zu Behinderungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen. Osteoporose bei Männern beginnt in der Regel später im Leben und schreitet langsamer voran als bei Frauen. Auch andere Risikofaktoren für Knochenbrüche, etwa Gleichgewicht, Muskelkraft, Begleiterkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und die Art, wie jemand stürzt, können sich zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

Ärzt*innen setzen häufig knochenstärkende Medikamente ein, um Knochenbrüchen nach leichten Stürzen oder Verletzungen vorzubeugen. Zu den etablierten Medikamenten gehören Bisphosphonate (Zoledronsäure, Alendronat, Risedronat, Ibandronat), Analoga des Parathormons (PTH) oder des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP) sowie Denosumab oder Romosozumab. Die meisten Untersuchungen zu diesen Medikamenten wurden bei Frauen durchgeführt, insbesondere nach den Wechseljahren. Über die Wirkungen dieser Behandlungen bei Männern mit erhöhtem Frakturrisiko ist weitaus weniger bekannt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob diese Medikamente Frakturen der Hüfte, der Wirbelsäule oder anderer Knochen reduzieren und ob sie bei Männern mit Frakturrisiko unerwünschte Wirkungen verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Männer mit einem Frakturrisiko Medikamente wie Bisphosphonate, PTH/PTHrP-Analoga, Denosumab oder Romosozumab im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder anderen Behandlungen erhielten. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 17 Studien mit 4.132 Männern. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Personen lag zwischen 52 und 73 Jahren. Zwei Studien wurden in Deutschland durchgeführt, vier in den USA, eine in der Türkei, eine in Taiwan und neun Studien waren multinational.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren:

  • 0,1 % weniger Personen erlitten eine Hüftfraktur , wenn sie Bisphosphonate einnahmen, doch die Evidenz ist sehr unsicher (4 Studien, 1.635 Personen):

    • 0,2 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine Hüftfraktur;

    • 0,3 % der Männer erlitten unter Placebo eine Hüftfraktur.

  • 0,4 % weniger Männer erlitten unter Bisphosphonaten symptomatische Wirbelfrakturen , doch die Evidenz ist sehr unsicher (5 Studien, 1.876 Personen):

    • 0,4 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine symptomatische Wirbelfraktur;

    • 0,8 % der Männer erlitten unter Placebo eine symptomatische Wirbelfraktur.

  • Bei der Einnahme von Bisphosphonaten traten bei 0,5 % weniger Männern andere Frakturen (keine Hüft- oder Wirbelfrakturen) auf, doch die Evidenz ist sehr unsicher (6 Studien, 2.043 Personen):

    • 1,6 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten andere Frakturen;

    • 2,1 % der Männer hatten unter Placebo andere Frakturen.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Bisphosphonate erhöhen das Risiko für unerwünschte Wirkungen wahrscheinlich nicht (7 Studien, 2548 Personen).

  • Unerwünschte Wirkungen traten bei 74,6 % der Personen unter Bisphosphonaten und

  • bei 70,4 % der Personen unter Placebo auf.

1,2 % weniger Personen brachen die Studie aufgrund unerwünschter Wirkungen ab, wenn sie Bisphosphonate statt Placebo einnahmen. Die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher (7 Studien, 2.548 Personen).

  • 2,5 % der Personen brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Bisphosphonaten ab;

  • 3,7 % der Personen brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Placebo ab.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (6 Studien, 2.457 Personen). Bei 1,4 % weniger Personen traten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse unter Bisphosphonaten auf als bei denjenigen, die ein Placebo einnahmen:

  • 27,2 % der Personen erlitten schwerwiegende Wirkungen unter Bisphosphonaten;

  • 28,6 % der Personen erlitten schwerwiegende Wirkungen unter Placebo.

Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit wurden in keiner Studie untersucht.

Ähnliche Ergebnisse fanden wir für PTH- oder PTHrP-Analoga (4 Studien, 569 Personen), Denosumab (1 Studie, 240 Personen) und Romosozumab (1 Studie, 244 Personen) im Vergleich zu Placebo.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkungen von Bisphosphonaten zur Vorbeugung von Frakturen, da nur wenige Studien vorlagen. Zudem war die Nachbeobachtung in der Regel kurz (meist zwei Jahre oder weniger); und es gab in beiden Studiengruppen nur wenige Personen mit Frakturen.

Wir haben nur moderates Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, da nicht klar war, ob in allen Studien jedes Ereignis vollständig berichtet wurde. Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf Studienabbrüche aufgrund von unerwünschten Wirkungen, da in einigen Studien nicht klar war, ob die Personen aufgrund von unerwünschten Wirkungen oder aus anderen Gründen aus der Studie ausschieden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Braten LC, Suter C, Johnston RV, Hartzell SA, Järvinen T, Buchbinder R

Helfen Probiotika bei der Behandlung von akutem infektiösem Durchfall?

22 hours 19 minutes ago
Was ist das Ziel dieses Reviews?

Akute infektiöse Durchfallerkrankungen stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar und betreffen insbesondere Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir wollten wissen, ob die Einnahme von Probiotika dazu beiträgt, die Zeit bis zum Abklingen der Symptome zu verkürzen. Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von Probiotika bei Menschen mit akuter Diarrhoe untersuchten. Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden. Solche Studien liefern die zuverlässigste Evidenz.

Kernaussagen

Probiotika haben möglicherweise keinen Einfluss auf die Dauer einer akuten Durchfallerkrankung. Wir wissen nicht, ob sie dazu beitragen, dass sich die Betroffenen schneller von der Durchfallerkrankung erholen. Wir benötigen weitere zuverlässige Studien, um beurteilen zu können, ob Probiotika bei akutem infektiösem Durchfall helfen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Als Durchfall bezeichnet man häufigen Stuhlgang sowie ungewöhnlich weichen oder wässrigen Stuhl. Akuter Durchfall kann durch Infektionen des Darms mit Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht werden. Die Erreger werden häufig über Wasser oder Lebensmittel übertragen, die mit Fäkalien verunreinigt sind. Akuter Durchfall bessert sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei schwerem akutem Durchfall kann der Körper große Mengen an Wasser, Salzen und Nährstoffen verlieren. Dies kann zu einer starken Austrocknung führen und in schweren Fällen lebensbedrohlich sein. Die Behandlung von akutem Durchfall soll verhindern oder ausgleichen, dass der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. Außerdem soll sie die Genesung beschleunigen und die Zeit verkürzen, in der Betroffene die Infektion auf andere übertragen können.

Probiotika sind lebende Bakterien oder Hefen. Sie sollen das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen im Darm wiederherstellen, wenn dieses durch eine Erkrankung oder Behandlung gestört wurde. Probiotika werden häufig als „gute“ oder „nützliche“ Mikroorganismen bezeichnet. Sie können beispielsweise in bestimmten Joghurts enthalten sein oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Bei akutem infektiösem Durchfall könnten Probiotika auf verschiedene Weise wirken: Sie könnten die krankmachenden Mikroorganismen direkt hemmen, die Abwehrfunktion des Darms unterstützen oder Entzündungen und Schäden an der Darmschleimhaut verringern.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Reviews?

Wir fanden 82 Studien mit insgesamt 12.127 Teilnehmenden mit akutem Durchfall. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder. Nur 26 Studien wurden in Ländern durchgeführt, in denen die allgemeine Sterblichkeit bei Erwachsenen und Kindern hoch war.

In den 82 Studien wurden verschiedene Probiotika mit keiner zusätzlichen Behandlung oder mit einem Placebo verglichen. Wir wollten herausfinden:

• wie viele Personen nach 48 Stunden noch Durchfall hatten; und
• wie lange der Durchfall im Durchschnitt anhielt.

Die Studien unterschieden sich deutlich in ihrer Planung und Durchführung. Die Studien definierten „akuten Durchfall“ und das „Ende der Durchfallbeschwerden“ unterschiedlich und untersuchten zudem viele verschiedene Probiotika. Deshalb konnten nicht alle Studienergebnisse in die Analyse einbezogen werden.

Wir fanden keinen Unterschied zwischen Probiotika und Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung darin, wie viele Kinder nach 48 Stunden noch Durchfall hatten (2 Studien in Ländern mit hohem Einkommen; 1.770 Kinder). Wir sind uns nicht sicher, ob Probiotika die Dauer des Durchfalls verkürzen (6 Studien; 3.058 Personen). Diese Ergebnisse unterschieden sich nicht nach Alter, Ernährungs- oder sozioökonomischem Status, Region oder Rotavirus-Infektion der Teilnehmenden. Auch die Einnahme von Antibiotika oder Zinkpräparaten änderte die Ergebnisse nicht.

Probiotika hatten möglicherweise keinen Einfluss auf:

• die Anzahl der Personen, die länger als 14 Tage an Durchfall litten (neun Studien; 2.928 Personen); oder
• die Anzahl der Personen, die wegen Durchfall ins Krankenhaus eingewiesen wurden (sechs Studien; 2.283 Personen).

Es ist unklar, ob Probiotika die Dauer des Krankenhausaufenthalts im Vergleich zu Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung verkürzen (24 Studien; 4.056 Personen). Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen von Probiotika; bei den Personen, die Probiotika einnahmen, wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Frühere Versionen dieses Reviews stützten ihre Schlussfolgerungen auf viele kleine Studien und deuteten darauf hin, dass Probiotika wirksam sein könnten.

Diese neue Analyse zeigt, dass bei diesem Thema eine Verzerrung durch Veröffentlichungsbias vorliegt, da kleine Studien, die positive Wirkungen nachweisen, eher veröffentlicht werden, was die Ergebnisse verzerrt. In der aktuellen Version fanden die Autor*innen Hinweise darauf, dass kleine Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht wurden. Zudem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf und ihre Ergebnisse unterschieden sich stark. Deshalb stützten die Auto*rinnen ihre wichtigsten Schlussfolgerungen vor allem auf größere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Studien berücksichtigt, die bis zum 17. Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Collinson S, Deans A, Padua-Zamora A, Gregorio GV, Li C, Dans LF, Allen SJ

Ist die Blutentnahme mit einer Nadel aus einer Vene (Venenpunktion) bei termingeborenen Neugeborenen besser als der Einstich in die Ferse (Fersenpunktion)?

22 hours 19 minutes ago
Kernaussagen
  • Eine Venenpunktion (das Einführen einer Nadel in eine Vene) ist für Neugeborene bei der Blutentnahme möglicherweise weniger schmerzhaft als eine Fersenpunktion (das Durchstechen der Haut an der Ferse mit einer speziellen Stechhilfe), unabhängig davon, ob zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird oder nicht. Zudem kann sie, wenn keine süß schmeckende Lösung zur Schmerzlinderung eingesetzt wird, die Notwendigkeit mehrerer Hautpunktionen verringern.

  • Wir wissen nicht, ob die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion verringert, wenn zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird.

  • Es werden größere, methodisch besser geplante Studien mit vollständiger Ergebnisberichterstattung benötigt, um zu zeigen, welche Methode für Neugeborene besser ist.

Warum entnehmen wir Neugeborenen Blutproben?

In den meisten Ländern wird eine Blutprobe von Neugeborenen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen entnommen. Blutproben können auch für andere Blutuntersuchungen erforderlich sein, um Erkrankungen wie Gelbsucht oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu diagnostizieren und zu überwachen. Die Blutentnahme bei Neugeborenen ist jedoch schmerzhaft. Unbehandelte Schmerzen bei Neugeborenen können ihr körperliches Wachstum und ihre Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Zur Schmerzlinderung kann Neugeborenen vor dem Eingriff eine süß schmeckende Lösung (z. B. eine Saccharoselösung) verabreicht werden. Schmerzen bei Neugeborenen lassen sich nur schwer messen. Zur Beurteilung werden daher Anzeichen wie der Gesichtsausdruck, Weinen und Veränderungen der Herzfrequenz herangezogen.

Wie werden Blutproben entnommen?Venenpunktion

Die Venenpunktion ist eine Methode zur Blutentnahme, bei der eine Nadel direkt in eine Vene gestochen wird. Wer eine Venenpunktion durchführt, muss dafür gut geschult sein, damit die Blutentnahme erfolgreich verläuft. Diese Technik wird häufig angewendet, wenn 1 ml oder mehr Blut benötigt wird, sowie um wiederholte Einstiche in die Haut und damit verbundene Komplikationen (wie z. B. Hautinfektionen) durch die Fersenpunktion zu vermeiden.

Fersenpunktion

Die Fersenpunktion ist weltweit die Standardmethode zur Blutentnahme bei Neugeborenen in Krankenhäusern. Sie wird üblicherweise angewendet, wenn weniger als 1 ml Blut benötigt wird. Die erfolgreiche Anwendung erfordert keine spezielle Schulung oder Erfahrung. Bei dem Verfahren wird mit einer Lanzette – in der Regel einer automatischen Stechhilfe – ein kleiner Einstich (1 bis 2 mm tief) an der Ferse vorgenommen. Nach der Punktion wird die Ferse des Neugeborenen zusammengedrückt, um die benötigte Blutprobe zu entnehmen, was weitere Schmerzen verursachen kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob eine Venenpunktion bei Neugeborenen weniger schmerzhaft ist als eine Fersenpunktion; und

  • welches Verfahren beim ersten Versuch am besten funktioniert, sodass keine zweite Hautpunktion erforderlich ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Venenpunktion und die Fersenpunktion zur Blutentnahme bei Neugeborenen verglichen wurden. Die Studien mussten die Schmerzreaktionen sowie die Anzahl der Hautpunktionen erfassen, die für eine erfolgreiche Probenentnahme erforderliche waren. Außerdem mussten sie dokumentiert haben, ob den Neugeborenen zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wurde. Die Säuglinge in den Studien mussten gesund und termingerecht geboren sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien mit insgesamt 826 termingeborenen Neugeborenen einbezogen. Drei Studien fanden in Schweden statt, je eine in Japan, Malaysia, Nepal, Spanien und Großbritannien.

Wenn keine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion wahrscheinlich weniger Schmerzen als die Fersenpunktion (6 Studien, 488 Neugeborene); und

  • verringert die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion wahrscheinlich die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion (6 Studien, 397 Neugeborene).

Wenn eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion möglicherweise weniger Schmerzen (3 Studien, 170 Neugeborene); und

  • sind wir unsicher, welche Auswirkungen eine Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion auf die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion hat (2 Studien, 110 Neugeborene).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war begrenzt und reichte von moderat bis sehr gering. Das liegt daran, dass alle Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführung aufwiesen. Dazu gehörten Probleme bei der Zuordnung der Neugeborenen zu den jeweiligen Gruppen, bei der Berichterstattung über die Studienergebnisse sowie bei der Anzahl der in die Studien eingeschlossenen Neugeborenen. Zudem wussten die Personen, die die Eingriffe durchführten, welche Entnahmemethode bei jedem Neugeborenen angewendet wurde, was die Bewertung der Schmerzen in den Studien beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf den Stand von Juli 2025.

Martins G, Fiander M, Taddio A, Shah VS

Trägt die Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie (Ersatztherapie mit Protein aus dem Blut gesunder Spendender) dazu bei, Beschwerden der Atemwege bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu lindern?

3 days 23 hours ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt die Zufuhr von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Infusion in eine Vene (intravenöse Substitutionstherapie) möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Lungenerkrankung) pro Jahr. Auf die Zahl der Todesfälle hat die Behandlung jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen. Wir sind sehr unsicher, ob die intravenöse Substitutionstherapie einen Einfluss auf die Anzahl der Menschen hat, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten. Die Verabreichung von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über ein Inhalationsgerät (Vernebler) (inhalative Substitutionstherapie) hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten Zudem sind wir sehr unsicher, ob diese Behandlung einen Einfluss auf Exazerbationen hat.

  • Unsere Übersichtsarbeit umfasste nur wenige Studien, und unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig.

Was ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATD)?

Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist ein Protein, das unsere Organe vor Schäden durch körpereigene Enzyme schützt. Ein AAT-Mangel (AATD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend AAT produziert. Dies kann zu Lungenschäden und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; einer Langzeiterkrankung, die das Atmen erschwert) führen. Zu den Symptomen von AATD gehören Atemnot, Husten und Keuchen. Raucher mit AATD haben ein höheres Risiko, eine schwere Lungenerkrankung zu entwickeln. AATD kann auch zu Leberproblemen führen. Manche Menschen mit AATD können ihr ganzes Leben lang gesund bleiben.

Was ist eine Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie?

Die AAT-Substitutionstherapie soll den AAT-Spiegel im Blutkreislauf und in der Lunge erhöhen. Das erfolgt mithilfe von AAT-Protein aus dem Blut, das aus dem Blut gesunder Spendender gewonnen wird. Die AAT-Substitutionstherapie kann möglicherweise dazu beitragen, das Lungengewebe vor Schäden zu schützen und das Fortschreiten der Lungenerkrankung zu verlangsamen. Sie kann über eine Infusion in eine Vene (intravenös), durch Injektion unter die Haut (subkutan) oder über eine Atemmaske verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Anhebung der AAT-Spiegel bei Menschen mit AATD die Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Erkrankung), die Zahl der Todesfälle sowie die Zahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten, verringern könnte. Unsere Übersichtsarbeit konzentrierte sich auf die Endpunkte, die für Menschen mit dieser Erkrankung am wichtigsten sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine AAT-Substitutionstherapie, die auf beliebige Weise verabreicht wurde (intravenös, subkutan oder inhalativ), mit einer anderen Art der Verabreichung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 524 Teilnehmenden. Vier Studien befassten sich mit der intravenösen AAT-Substitutionstherapie, die anderen beiden mit der inhalativen AAT-Substitutionstherapie. In allen sechs Studien wurde die AAT-Substitutionstherapie mit einem Placebo verglichen. Die Studien wurden in einkommensstarken Ländern in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste fünf Teilnehmende, die größte 180 Teilnehmende.

Hauptergebnisse

Intravenöse AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie führt möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der jährlichen Exazerbationen. Die Evidenz zeigt eine Rate von 1710 jährlichen Exazerbationen pro 1.000 Personen, die eine intravenöse AAT-Ergänzungstherapie erhalten, im Vergleich zu 1420 jährlichen Exazerbationen pro 1.000 Personen, die ein Placebo erhalten (290 Exazerbationen mehr in der AAT-Gruppe).

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle.

  • Wir sind sehr unsicher, ob bei Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhalten, die Wahrscheinlichkeit, ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden, höher ist als bei denjenigen, die ein Placebo erhalten.

Inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Wir sind sehr unsicher, ob die inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo einen Einfluss auf die Anzahl der jährlichen Exazerbationen hat.

  • In keiner Studie wurden Todesfälle berichtet.

  • Die inhalative AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Personen, bei denen ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da nur wenige Studien verfügbar waren, die von uns gefundenen Studien nur wenige Teilnehmende umfassten und die Ergebnisse nur einen Teil der Personen abdeckten, die für uns von Interesse waren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Wir haben Evidenz berücksichtigt, die bis August 2025 veröffentlicht wurde.

Glaister P, Hindle Robinson N, Woods A, Bentham C, Hamzah J, Crossingham I

Welche Vorteile und Risiken hat die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) im Vergleich zu anderen Prostataoperationen?

1 week ago
Kernaussagen
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Standard-Prostataoperation (transurethral resection of the prostate, TURP) lindern Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut und verbessern die Lebensqualität in vergleichbarem Maße. Auch schwerwiegende Komplikationen treten im ersten Jahr nach der Operation möglicherweise ähnlich häufig auf.

  • HoLEP verringert im Vergleich zur TURP und im Vergleich zur Prostatektomie (operative Entfernung von Prostatagewebe) wahrscheinlich den Bedarf an Bluttransfusionen. Möglicherweise ist der Bedarf auch im Vergleich zur Laserablation (Zerstörung von Prostatagewebe mit einem Laser) geringer. Pro 1.000 behandelte Männer würden etwa 36 weniger eine Bluttransfusion benötigen (HoLEP vs. TURP).

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um zu beurteilen, ob HoLEP bei sehr stark vergrößerter Prostata oder bei Personen, die bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, die bessere Behandlungsmöglichkeit ist.

Was ist eine benigne Prostatahyperplasie?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die nur bei Männern vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, bei der sich die Prostata mit zunehmendem Alter häufig vergrößert. Dadurch kann der Harnfluss behindert werden. Das lässt sich mit einem verengten Schlauch vergleichen: Der Urin kann schlechter abfließen, sodass das Wasserlassen zunehmend schwieriger wird.

Wie wird eine gutartige Prostatahyperplasie behandelt?

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und operative Eingriffe. Lange Zeit war die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) die am häufigsten durchgeführte Operation. Bei der TURP wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem kleinen Instrument entfernt, das durch die Harnröhre eingeführt wird. Heute werden dafür auch Laserverfahren eingesetzt. Eine dieser Laserbehandlungen ist die sogenannte Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, wie HoLEP im Vergleich zu anderen Operationen die Beschwerden und die Lebensqualität beeinflusst und wie sicher das Verfahren ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen HoLEP mit anderen Prostataoperationen verglichen wurde. Wir untersuchten, wie wirksam und sicher die verschiedenen Operationsverfahren waren und wie schnell sich die Männer davon erholten. Anschließend fassten wir alle Ergebnisse zusammen und bewerteten die Zuverlässigkeit der einzelnen Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 52 Studien mit 6.242 Männern, die sich einer Prostataoperation unterzogen hatten. Diese Zusammenfassung konzentriert sich auf Studien, in denen HoLEP innerhalb des ersten Jahres nach der Operation mit der TURP verglichen wurde. Die TURP galt lange als Standardoperation bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Vergleich ist besonders relevant für Männer, die zwischen verschiedenen Operationsverfahren wählen. Das Durchschnittsalter der Männer lag zwischen 65 und 74 Jahren und die durchschnittliche Prostatagröße in den Studien reichte von 30 cm³ bis 142 cm³. Die Studien wurden in 11 Ländern durchgeführt.

  • Symptome und Lebensqualität : HoLEP lindert Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut wie die TURP (14 Studien, 1666 Personen) und verbessert möglicherweise auch die Lebensqualität in ähnlichem Maße (6 Studien, 876 Personen). Die festgestellten Unterschiede waren so gering, dass sie für die Männer keine spürbare Bedeutung hatten.

  • Schwerwiegende Komplikationen: Schwerwiegende Komplikationen treten bei HoLEP möglicherweise ähnlich häufig auf wie bei der TURP (10 Studien, 1147 Personen).

  • Erneute Operationen und erektile Funktion: Die Häufigkeit erneuter Operationen und die erektile Funktion sind nach HoLEP und TURP wahrscheinlich ähnlich.

  • Ejakulation: Keine der Studien berichtete darüber, wie sich HoLEP und TURP auf die Ejakulation auswirkten, obwohl dies für viele Männer von großer Bedeutung ist.

  • Bluttransfusion: HoLEP senkt im Vergleich zur TURP wahrscheinlich das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Im Vergleich zu den meisten anderen Operationsverfahren macht HoLEP möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Etwa 44 von 1.000 Männern benötigen nach einer TURP eine Transfusion, verglichen mit etwa 8 von 1.000 nach einer HoLEP (15 Studien, 1.755 Personen).

  • Wir verglichen HoLEP außerdem mit anderen Laserverfahren, anderen Enukleationstechniken und offenen Operationen. Dabei betrachteten wir auch Ergebnisse, die mehr als ein Jahr nach dem Eingriff erhoben wurden. Diese Ergebnisse sind im Volltext des Reviews dargestellt.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Studienqualität: Die meisten Studien wiesen methodische Mängel auf. So ist es beispielsweise unmöglich, die Operierenden zu verblinden, und auch die Teilnehmenden können nur schwer darüber im Unklaren gelassen werden, welche Operation sie erhalten haben. Dies kann beeinflussen, wie die Ergebnisse gemessen und berichtet werden. Nur wenige Studien verfügten über vorab registrierte Protokolle, sodass einige Ergebnisse möglicherweise selektiv berichtet wurden. Aus diesen Gründen haben wir in viele der Ergebnisse nur geringes oder sehr geringes Vertrauen.

  • Kurze Nachbeobachtung: Die meisten Studien führten eine Nachbeobachtung nur bis zu 12 Monaten durch. Wir wissen nicht, ob die Vorteile von HoLEP langfristig bestehen bleiben oder ob sich die Häufigkeit erneuter Operationen auf längere Sicht wesentlich unterscheidet.

  • Keine der Studien berichtete darüber, wie sich die verschiedenen Operationsverfahren auf die Ejakulation auswirkten. Da etwa drei von vier Männern nach einer HoLEP eine retrograde Ejakulation („trockener Orgasmus“) erleben, ist dies eine wichtige Wissenslücke. Auch Daten zur Harninkontinenz nach der Operation wurden nicht einheitlich erfasst.

  • Erfahrung der Operierenden: Die meisten Operierenden in den einbezogenen Studien verfügten über umfangreiche Erfahrung mit der HoLEP. Die tatsächlichen Ergebnisse können anders ausfallen, wenn die Operierenden noch wenig Erfahrung mit HoLEP haben. Die Komplikationsrate nimmt mit zunehmender Erfahrung weiter ab und stabilisiert sich offenbar erst nach etwa 350 Eingriffen.

  • Begrenzte Evidenz für bestimmte Patientengruppen: Wir konnten nicht untersuchen, ob HoLEP bei Männern mit sehr stark vergrößerter Prostata (≥ 80 ml) oder bei Männern, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, anders wirkt, da zu wenige Studien diese Patientengruppen einschlossen. Gerade bei diesen Patientengruppen könnte HoLEP möglicherweise besonders vorteilhaft sein. Daher ist diese Evidenzlücke besonders relevant.

  • Wenige Studien für einige Vergleiche: Die meisten Studien verglichen HoLEP mit TURP. Für Vergleiche mit Laserablation, anderen Enukleationstechniken oder offenen Operationen ist die Evidenz daher weniger sicher.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 08. April 2026.

Sathianathen N, Hwang EC, Brown SJane, Bakker C, Borofsky MS, Ergun O, Dahm P

Die Fragestellung des Reviews

1 week 1 day ago
Welche langfristigen Vorteile und Risiken haben verschiedene Arten von Operationen zur Gewichtsreduktion bei der Behandlung von Adipositas bei erwachsenen Menschen mit Typ-2-Diabetes?Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes könnte ein Magenbypass (d. h. ein Roux-en-Y-Magenbypass oder ein Magenbypass mit einer Anastomose) den größten Nutzen haben, um das Körpergewicht und den Taillenumfang zu verringern sowie den Typ-2-Diabetes und die langfristigen Blutzuckerwerte zu verbessern – mindestens fünf Jahre nach der Operation. Beim Magenbypass mit einer Anastomose sind wir hinsichtlich der Ergebnisse allerdings sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf Risiken wie schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen und den Tod jeglicher Ursache mindestens fünf Jahre nach der Operation haben.

  • Größere und gut konzipierte Studien könnten dazu beitragen, die bestehenden Unsicherheiten zu verringern und unser Vertrauen in die Ergebnisse zu stärken.

Was sind Adipositas und Typ-2-Diabetes?
Adipositas bezeichnet eine übermäßige Ansammlung von Körperfett, die die Gesundheit beeinträchtigen kann. Bei Typ-2-Diabetes kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend regulieren, da das Hormon Insulin nicht richtig wirkt. Typ-2-Diabetes tritt häufig bei Menschen mit Adipositas auf. Beide Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen vorzeitigen Tod und andere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie werden Adipositas und Typ-2-Diabetes behandelt?

Zur Gewichtsabnahme und Verbesserung des Diabetes werden zunächst häufig Änderungen des Lebensstils wie eine Ernährungsumstellung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie Medikamente eingesetzt. Wenn diese nicht ausreichend wirken, können metabolische und bariatrische Operationen als zusätzliche Behandlungsoption in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Arten der bariatrischen Chirurgie:

  • Magenband (ein verstellbares Band, das um den oberen Teil des Magens gelegt wird und diesen verengt, sodass kleinere Portionen ausreichen);

  • Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie; Entfernung eines Teils des Magens);

  • Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB; aus dem oberen Teil des Magens wird ein kleiner Vormagen gebildet und direkt mit einem tiefer gelegenen Abschnitt des Dünndarms verbunden, sodass ein Teil des Magens und des Dünndarms umgangen wird);

  • Magenbypass mit nur einer Verbindung (Ein-Anastomosen-Magenbypass oder Mini-Magenbypass);

  • Magenplikatur (Einfaltung der Magenwand, um den Magen zu verkleinern);

  • biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (der Magen wird verkleinert und ein großer Teil des Dünndarms umgangen, sodass der Körper weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt).

Was wollten wir herausfinden?
  • Welche der verschiedenen Operationsmethoden am sichersten und wirksamsten sind, wenn man sie miteinander sowie mit einer Behandlung durch Lebensstiländerung und Medikamente hinsichtlich ihrer langfristigen (mindestens 5 Jahre Nachbeobachtung) Vorteile und Risiken vergleicht.

  • Ob diese Operationen das Körpergewicht und den Taillenumfang verringern, den Typ-2-Diabetes verbessern, die langfristigen Blutzuckerwerte senken und die Lebensqualität mindestens fünf Jahre nach der Operation verbessern.

  • Ob sich die Operationen über diesen Zeitraum hinweg auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Todesfälle jeglicher Ursache und Komplikationen des Typ-2-Diabetes auswirken.

Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien mit Personen, die Adipositas und Typ-2-Diabetes hatten. Wir schlossen Studien ein, in denen mindestens zwei verschiedene chirurgische Eingriffe oder eine Operation mit einer Lebensstil- und medikamentösen Behandlung verglichen wurden. Wir fassten alle Behandlungen mithilfe einer Methode namens Netzwerk-Metaanalyse zusammen und verglichen sie; dabei bewerteten wir unser Vertrauen in die Ergebnisse anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 18 Studien mit insgesamt 15.282 Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. In 13 dieser Studien (mit insgesamt 911 Teilnehmenden) wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeordnet. Dies ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Gruppen der Teilnehmenden ähnlich sind. Fünf Studien (mit 14.371 Personen) verwendeten Beobachtungsdaten aus der Versorgungsrealität. Die Studien untersuchten verschiedene Operationsverfahren wie Magenband, Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass, Magenbypass mit einer Anastomose und Magenplikatur. Wir stellten fest, dass:

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass senkt langfristig möglicherweise das Körpergewicht und verringert wahrscheinlich den Taillenumfang – im Vergleich zu einer Behandlung mit Lebensstiländerungen und Medikamenten.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und, in geringerem Ausmaß, der Schlauchmagen könnten das Körpergewicht ebenfalls senken und den Taillenumfang verringern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass, der Magenbypass mit einer Anastomose, der Schlauchmagen und das Magenband verbessern den Typ-2-Diabetes möglicherweise. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen oder den Tod jeglicher Ursache haben.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verringert langfristig möglicherweise die Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen. Wir sind hinsichtlich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verbessert möglicherweise die Blutzuckerwerte – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und der Schlauchmagen könnten die Blutzuckerwerte ebenfalls verbessern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass und der Schlauchmagen könnten die gesundheitsbezogene Lebensqualität stärker steigern als nicht-chirurgische Behandlungen. Auch hier sind wir hinsichtlich der Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist oft gering bis sehr gering, da in die Studien nur wenige Personen eingeschlossen wurden und die Ergebnisse für einige Endpunkte – insbesondere schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Tod jeglicher Ursache und Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – auf sehr wenigen Ereignissen beruhten. Zudem gab es für mehrere chirurgische Verfahren nicht genügend Studien, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können. Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertung unseres Vertrauens in die Ergebnisse ausschließlich auf Studien beruhte, in denen die Teilnehmenden den Gruppen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, und keine Beobachtungsstudien einbezog.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2024.

Kiesswetter E, Gorenflo L, Schwarzer G, Stadelmaier J, Wallerer S, Marjanovic G, Fink JM, Lehane C, Metzendorf MI, Meerpohl J, Schwingshackl L

Kann das Training mit Gehirn-Computer-Schnittstellen die Bewegungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten nach einem Schlaganfall verbessern?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Ein Training der Gehirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-computer-interface, kurz: BCI) kann die Armbewegung möglicherweise etwas verbessern, hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegung. Es ist sehr ungewiss, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft.

  • Im Vergleich zu einem „Schein“-BCI (unechten BCI) hat das BCI-Training möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Bewegungsfähigkeit oder die Alltagsaktivitäten.

  • Es sind größere, gut konzipierte Studien erforderlich, um die tatsächlichen Nutzen und Schäden des BCI-Trainings zu bestätigen.

Was ist eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (engl. brain-computer interface; BCI)?

Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) ist eine Technologie, die eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät herstellt. Dabei werden normalerweise Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um die Gehirnsignale zu erfassen, die entstehen, wenn eine Person sich eine Bewegung vorstellt oder versucht sie auszuführen.

Wie wird BCI nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Nach einem Schlaganfall leiden Betroffene häufig unter Muskelschwäche oder Bewegungsausfällen. Beim BCI-Training werden die Gehirnsignale erfasst, die entstehen, wenn eine Person eine Bewegung beabsichtigt. Die Signale werden dann in Echtzeit in ein Feedback umgewandelt. Zum Beispiel erkennt das BCI, wenn der Patient daran denkt, seine Hand zu bewegen. Es löst daraufhin eine Bewegung eines Roboterhandschuhs aus, die Hand zu bewegen, oder stimuliert die Muskeln elektrisch, sodass sich die Hand bewegt. Dieses Feedback erfolgt genau in dem Moment, in dem die Person versucht, die Bewegung auszuführen. Das trägt vermutlich dazu bei, das Gehirn „neu zu vernetzen“ und die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit zu fördern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob BCI-Training bei der Verbesserung der Arm- und Beinbewegungen sowie der Fähigkeit zur Ausübung alltäglicher Aktivitäten bei Menschen mit Schlaganfall besser ist als herkömmliche Therapien, andere aktive Behandlungen oder ein Schein-BCI (unechtes BCI). Außerdem wollten wir herausfinden, ob das BCI-Training mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen des BCI-Trainings bei Erwachsenen untersuchten, die einen Schlaganfall erlitten und infolgedessen Bewegungsschwierigkeiten hatten. Die Teilnehmenden dieser Studien hatten entweder einen Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß oder einen Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn erlitten. Die meisten befanden sich einige Monate nach dem Schlaganfall, nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte. Anschließend haben wir die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Zuversicht in die Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie den angewandten Methoden und der Anzahl der untersuchten Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 1.628 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Evidenz deutet auf Folgendes hin:

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie kann das BCI-Training möglicherweise die Armbewegungen geringfügig verbessern (10 Studien, 611 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum bis gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (1 Studie, 64 Personen). Wir können nicht sagen, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft (5 Studien, 282 Personen), da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen kann das BCI-Training das Gleichgewicht möglicherweise leicht verbessern (6 Studien, 165 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (4 Studien, 130 Personen). Bei der Armbewegung(14 Studien, 331 Personen) und der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (5 Studien, 163 Personen), sind wir nicht sicher genug, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

  • Im Vergleich zu einem Schein-BCI, das wie das echte System aussieht und sich auch so anfühlt, aber kein echtes Feedback zu den Gehirnsignalen liefert, macht das BCI-Training möglicherweise kaum einen Unterschied bei den Armbewegungen (9 Studien, 279 Personen), den Beinbewegungen (3 Studien, 106 Personen) oder den Alltagsaktivitäten (1 Studie, 28 Personen).

Wir haben uns auch einige andere Aspekte angesehen, wie beispielsweise erhöhte Muskelspannung, Muskelkraft und die allgemeine Erholung des Nervensystems. Die Evidenz hierzu war zu ungewiss, als dass wir Schlussfolgerungen hätten ziehen können.

Wir wollten außerdem wissen ob unerwünschte Wirkungen auftraten. In vielen Studien wurde jedoch nicht darüber berichtet. In den Studien, in denen dies der Fall war, handelte es sich in der Regel um leichte Wirkungen wie Muskelkater oder Müdigkeit. Da nur sehr wenige Studien dazu ausreichende Angaben machte,können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das BCI-Training ein zusätzliches Risiko birgt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen wenig bis sehr wenig Vertrauen in die Evidenz:

  • Die meisten Studien waren klein angelegt und umfassten nur wenige Teilnehmende.

  • Viele der Studien wurden so durchgeführt, dass dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Beispielsweise wussten die Teilnehmenden oft, welche Behandlung sie erhielten.

  • Die Ergebnisse variierten zudem stark von einer Studie zur anderen.

  • Schließlich wurden einige Studien, die keinen Nutzen feststellten, möglicherweise nicht veröffentlicht. Dadurch könnte das BCI-Training wirksamer erscheinen, als es tatsächlich ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Qin Y, Li M, Li Y, Ma M, Xu J, Lu Y, Shi X, Cui G, Zhao H, Yang K

Sollte Oxytocin, das zur Unterstützung der Geburt über die Vene gegeben wird, beendet oder weitergegeben werden, sobald die aktive Wehenphase beginnt?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Wenn eine Schwangere Oxytocin über eine Infusion in eine Vene erhält, um die Geburt einzuleiten oder voranzutreiben, macht es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied für die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts (Entbindung durch einen Schnitt am Bauch), ob das Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt oder bis zur Geburt des Kindes weitergegeben wird. Beide Vorgehensweisen scheinen für Mutter und Kind sicher zu sein.

  • Wenn das Oxytocin zu Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt wird, kann dies dazu beitragen, übermäßige Wehen zu vermeiden und die unnötige Gabe des Medikaments zu verringern. Allerdings kann sich dadurch die aktive Wehenphase möglicherweise verlängern. Dies ist jedoch sehr unsicher.

  • Ob Oxytocin weitergegeben oder abgesetzt wird, sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden. Dabei sollten die jeweilige Situation, darunter der Fortschritt der Geburt, Wehen und der aktuelle Zustand von Mutter und Kind, ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeiten zur Überwachung von Mutter und Kind und die Wünsche der Frau.

Was ist Oxytocin?

Bei Schwangeren, die kurz vor dem Geburtstermin stehen (d. h. nach der 37. Schwangerschaftswoche), ist künstliches Oxytocin ein Medikament, um die für die Wehen notwendigen Kontraktionen der Gebärmutter (Wehentätigkeit) auszulösen oder diese zu verstärken. Es wird häufig über eine Infusion in eine Vene verabreicht. Sobald die aktive Wehenphase eingesetzt hat (d. h., der Muttermund mindestens 4 cm geöffnet (dilatiert) ist und regelmäßige Wehen auftreten), geht man davon aus, dass der Körper ausreichend natürliches Oxytocin produziert, damit die Geburt weiter voranschreitet. Wenn künstliches Oxytocin auch nach Beginn der aktiven Wehenphase weiter verabreicht wird, kann dies dazu führen, dass die Wehen zu häufig oder zu stark werden. Dadurch kann das Ungeborene belastet werden und möglicherweise die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Frau einen Kaiserschnitt benötigt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob das Absetzen von Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase das Risiko eines Kaiserschnitts senkt und ob dies für die Mutter oder Neugeborene Vorteile oder Nachteile hat.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die beiden Vorgehensweisen bei Frauen mit einer termingerechten Einlingsschwangerschaft (d. h. ein Baby, keine Zwillinge oder Drillinge) verglichen wurden, denen Oxytocin zur Einleitung oder zur Beschleunigung der Wehen verabreicht wurde, um herauszufinden, ob es besser ist:

  • das Oxytocin abzusetzen, sobald die aktive Phase der Wehen beginnt, oder

  • die Oxytocin-Gabe bis zur Geburt fortzusetzen?

Wir suchten nach Evidenz bis zum 17. November 2025. Wir haben die Studienergebnisse nach Möglichkeit zusammengefasst, um möglichst umfassende Informationen zu erhalten. Wir bewerteten, wie vertrauenswürdig jede Studie ist und wie sicher wir uns auf die Ergebnisse verlassen können, basierend auf Faktoren wie der Größe der Studien, ob sie gut konzipiert und durchgeführt wurden, sowie der Genauigkeit ihrer Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir haben neun Studien mit insgesamt 4814 Frauen einbezogen. Die Studien fanden in Krankenhäusern in Dänemark, Frankreich, Indien, Iran, Israel, Thailand, der Türkei und den USA statt. In den Studien wurden verschiedene Definitionen der aktiven Wehenphase verwendet.

Hauptergebnisse

Das Absetzen von Oxytocin während der aktiven Phase der Wehen:

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Kaiserschnittgeburten (8 Studien, 4.710 Frauen);

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der instrumentellen Entbindungen (5 Studien, 3.776 Frauen); und

  • verringert möglicherweise das Risiko von zu häufigen oder zu starken Wehen (sogenannte Uterustachysystolie oder Hyperstimulation) (3 Studien, 1.371 Frauen);

  • allerdings verlängert es die aktive Wehenphase möglicherweise um durchschnittlich etwa 35 Minuten. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher (8 Studien, 4.141 Frauen).

Darüber hinaus besteht zwischen der Fortsetzung und dem Absetzen von Oxytocin in der aktiven Wehenphase:

  • wahrscheinlich kein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Apgar-Scores (eine schnelle Beurteilung des Gesundheitszustands eines Neugeborenen nach der Geburt) (5 Studien, 2.096 Frauen);

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Anzeichen einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, gemessen anhand einer Untersuchung des Nabelschnurbluts nach der Geburt (6 Studien, 4.086 Frauen); und

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Einweisung auf die Neugeborenenstation (7 Studien, 4.606 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Zuverlässigkeit der Evidenz variierte stark. Wir waren uns hinsichtlich der Ergebnisse zu instrumentellen Geburten, einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, sowie zur Einweisung auf die Neugeborenenstation sehr sicher. Hinsichtlich des Apgar-Scores sind wir uns moderat sicher. Bei den Ergebnissen zu Kaiserschnitt und Uterushyperstimulation waren wir etwas unsicher, bei den Ergebnissen zur Dauer der aktiven Wehenphase hingegen sehr unsicher. Einige Gründe für die Unsicherheit waren:

  • dass die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie sich befanden, d. h., ob die Oxytocin-Gabe fortgesetzt oder abgebrochen wurde, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat;

  • dass die Studien unterschiedliche Definitionen für die von ihnen berichteten Messgrößen verwendeten, wie z. B. die aktive Wehenphase, die Uterustachysystolie und die Uterushyperstimulation; und

  • dass die Dauer der Wehen bei den Schwangeren zwischen den Studien variierte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. November 2025.

Boie S, Uldbjerg N, Bor P, Thornton JG, Le Ray C, Glavind J, Goffinet F, Girault A

Welche krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) wirken bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis, wenn ein biologisches oder zielgerichtetes synthetisches DMARD nicht ausreichend gewirkt hat?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Wenn ein biologisches oder zielgerichtetes synthetisches krankheitsmodifizierendes Antirheumatikum (DMARD) nicht ausreichend wirkt, stehen mehrere weitere Medikamente zur Verfügung, die die Beschwerden der rheumatoiden Arthritis lindern können. DMARDs sind Medikamente, die den Krankheitsverlauf bremsen oder aufhalten können.

  • Wir wissen nicht sicher, ob sich die Medikamente hinsichtlich ihrer unerwünschten Wirkungen von Placebo (Scheinbehandlung) oder voneinander unterscheiden.

  • Wir benötigen weitere Studien, in denen die Medikamente direkt miteinander verglichen werden, um besser einschätzen zu können, welches das beste ist. Bei der Wahl der Behandlung sollten die persönliche gesundheitliche Situation und die Präferenzen der betroffenen Person berücksichtigt werden.

Was ist rheumatoide Arthritis?

Rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem, das normalerweise Infektionen bekämpft, fälschlicherweise die Gelenke angreift. Dies führt zu Gelenkschmerzen, Schwellungen, Steifheit und Funktionseinschränkungen. Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung, doch Behandlungen können helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Wie wird rheumatoide Arthritis behandelt?

Rheumatoide Arthritis wird in der Regel mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) behandelt, die die für die Symptome verantwortliche Entzündung eindämmen und zudem Gelenkschäden verhindern. Es gibt verschiedene Arten von DMARDs. Zielgerichtete synthetische (targeted synthetic, ts) DMARDs wirken, indem sie auf bestimmte Zellen oder Proteine abzielen. Biologische (b) DMARDs richten sich ebenfalls gezielt gegen bestimmte Zellen oder Proteine. Sie werden jedoch mithilfe lebender Zellen biotechnologisch hergestellt. Konventionelle synthetische DMARDs beeinflussen das Immunsystem auf breiterer Ebene, statt gezielt an einem bestimmten Bestandteil oder Signalweg anzusetzen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten die Wirkungen von DMARDs bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis untersuchen, bei denen die Behandlung mit einem b/ts-DMARD nicht angeschlagen hat. Dies ist eine sogenannte „lebende“ systematische Übersichtsarbeit. Das bedeutet, dass regelmäßig nach neuen Studien gesucht und die Übersichtsarbeit bei Bedarf aktualisiert wird. Da sich dieses Gebiet der Medizin ständig weiterentwickelt und verändert, möchten wir sicherstellen, dass die aktuellste Evidenz in dieser Übersichtsarbeit berücksichtigt wird.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde wie wirksam DMARDs bei Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis sind, bei denen die Behandlung mit einem b/ts-DMARD nicht angeschlagen hatte.

Wir untersuchten, wie gut die verfügbaren DMARDs die Symptome der rheumatoiden Arthritis linderten, darunter Schmerzen, Gelenkschwellungen und Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit. Dies ermittelten wir mithilfe der ACR50-Ansprechkriterien des American College of Rheumatology (ACR50-Ansprechen). Ein ACR50-Ansprechen bedeutet, dass das Medikament gegen rheumatoide Arthritis wirksam ist und sich die Symptome um mindestens die Hälfte verbessert haben. Wir untersuchten außerdem unerwünschte Wirkungen, die dazu führen könnten, dass eine Person die Einnahme des Medikaments abbricht.

Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten, wie groß unser Vertrauen in die Evidenz ist. Dabei berücksichtigten wir Faktoren wie die Größe der Studien und deren Durchführung.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 19 Studien mit insgesamt 4.779 Menschen mit rheumatoider Arthritis. Alle waren zuvor mit einem Tumornekrosefaktor-Hemmer (einer Art biologischem DMARD) behandelt worden, der nicht ausreichend gewirkt hatte. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen. Sie waren im Durchschnitt 49 bis 58 Jahre alt und lebten seit durchschnittlich 6 bis 14 Jahren mit rheumatoider Arthritis. Die Studien wurden weltweit durchgeführt, unter anderem in Nordamerika, Europa und Asien. Neun Studien wurden von Pharmaunternehmen finanziert, während die übrigen 10 durch nationale Forschungszuschüsse finanziert wurden.

Folgende Medikamente linderten die Symptome der rheumatoiden Arthritis bei Patient*innen, bei denen ein b/ts-DMARD versagt hatte:

  • ein anderer Tumornekrosefaktor-Hemmer (2 Studien; 343 Personen);

  • Sarilumab (1 Studie, 365 Personen);

  • Tocilizumab 4 mg/kg (1 Studie, 319 Personen);

  • Tocilizumab 8 mg/kg (1 Studie, 328 Personen);

  • intravenös (in eine Vene) verabreichtes Abatacept (2 Studien, 665 Personen);

  • Rituximab (1 Studie, 499 Personen);

  • Upadacitinib (1 Studie, 333 Personen);

  • Tofacitinib (1 Studie, 263 Personen);

  • eine höhere Dosis Baricitinib (1 Studie, 353 Personen).

Wir wissen nicht sicher, ob sich die Medikamente hinsichtlich ihrer unerwünschten Wirkungen von Placebo (Scheinbehandlung) oder voneinander unterscheiden. Die Evidenz hierzu war insgesamt von geringer Vertrauenswürdigkeit.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz reichte von hoch bis sehr niedrig. Wenn unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt war, lag dies daran, dass nicht genügend Studien vorlagen, um sicher über die Ergebnisse urteilen zu können. Bei unserer Suche stellten wir mehrere Lücken in der verfügbaren Evidenz fest. Insbesondere gab es nur wenige Studien, in denen Medikamente direkt miteinander verglichen wurden. Die meisten Studien verglichen ein Medikament mit Placebo. Mehr Studien mit direkten Vergleichen zwischen den Medikamenten würden uns helfen, besser zu beurteilen, welches Medikament am besten geeignet ist.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand vom 28. November 2025. Da es sich um eine „lebende“ systematische Übersichtsarbeit handelt, werden wir sie jährlich aktualisieren, damit neue Evidenz in die Ergebnisse einfließt.

Thomas J, Kamso MM, Whittle SL, Wells GA, Kelly SE, Pardo Pardo J, Tugwell P, Johnston RV, Glennon V, Ejaredar M, Thomas M, Lee C, Elliott J, Mokbel A, Avery JC, Grobler L, Cyril S, Deardon R, Akl EA, Maxwell LJ, Buchbinder R, Hazlewood GS, Supported by…

Wie wirken sich Angebote für mehr körperliche Aktivität auf Kinder mit Adipositas aus?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität trägt möglicherweise jede Art von körperlicher Aktivität dazu bei, den BMI von Kindern mit Adipositas leicht zu senken. Der BMI (Body-Mass-Index) setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und dient dazu, das Gewicht einer Person einzuschätzen. Leichte unerwünschte Ereignisse treten möglicherweise deutlich häufiger auf. Hinsichtlich beider Ergebnisse sind wir uns jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob körperliche Aktivität im Vergleich zu keiner, einer anderen Art oder einem anderen Umfang an körperlicher Aktivität das Körpergewicht, den Körperfettanteil, das Wohlbefinden oder den Blutzuckerspiegel von Kindern mit Adipositas beeinflusst. Zudem ist unklar, ob körperliche Aktivität die Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse beeinflusst.

  • Wir benötigen größere, länger dauernde und qualitativ hochwertigere Studien, um die Wirkungen körperlicher Aktivität bei Kindern mit Adipositas verlässlicher beurteilen zu können.

Was ist Adipositas?

Von Adipositas spricht man, wenn eine Person zu viel Körperfett hat. Weltweit hat die Adipositas bei Kindern (im Alter von 0 bis 9 Jahren) seit 1975 erheblich zugenommen. Bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 300 Millionen Kinder und Jugendliche (im Alter von 10 bis 19 Jahren) an Adipositas leiden.

Kinder mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben gesundheitliche Probleme wie Herzerkrankungen, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten, Lebererkrankungen, Asthma, Gelenk- und Muskelprobleme sowie Infektionen zu entwickeln. Adipositas im Kindesalter steht zudem in Zusammenhang mit einer höheren Rate an Angstzuständen und Depressionen.

Eine Gewichtsabnahme ist der beste Weg, die gesundheitlichen Risiken von Adipositas zu verringern. Bei Kindern erfolgt dies in der Regel durch eine Veränderung des Lebensstils, etwa durch mehr körperliche Aktivität – zum Beispiel Laufspiele oder bewegungsfördernde interaktive Videospiele, die auch als „Exergaming“ bezeichnet werden – und eine gesündere Ernährung.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob körperliche Aktivität Kindern mit Adipositas im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität dabei hilft:

  • ihren BMI (Body-Mass-Index) oder BMI-Z-Score zu senken. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und wird berechnet, indem das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt wird (kg/m 2 ). Der BMI-Z-Score gibt an, wie der BMI eines Kindes im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern desselben Geschlechts einzuordnen ist;

  • Gewicht zu verlieren;

  • ihr Wohlbefinden zu steigern;

  • ihren Körperfettanteil zu verringern oder zu einer günstigeren Verteilung des Körperfetts im Körper beizutragen; und

  • ihren Blutzuckerspiegel zu senken.

Außerdem wollten wir herausfinden, ob manche Bewegungsprogramme vorteilhafter sind als andere und ob die Bewegungsprogramme zu unerwünschten Ereignissen führten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen körperliche Aktivität mit Folgendem verglichen wurde:

  • keiner körperliche Aktivität;

  • einer anderen Art oder einem anderen Umfang körperlicher Aktivität.

Die Kinder mussten die körperliche Aktivität mindestens 12 Wochen lang ausüben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Anzahl an Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden vier Studien mit insgesamt 517 Kindern. Die Studien waren klein: Die kleinste umfasste nur 59 Kinder, die größte 222. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Kinder waren Mädchen (46 %). Ihr Durchschnittsalter betrug 9 Jahre.

In drei Studien führten die Kinder die körperlichen Aktivitäten 12 oder 13 Wochen lang durch; das Bewegungsprogramm der vierten Studie dauerte 32 Wochen. Die Studien fanden in drei Ländern statt: je eine Studie in Brasilien und im Iran, sowie zwei Studien in den USA. In den amerikanischen Studien waren 73 % der Kinder schwarz. In den anderen Studien wurde die ethnische Zugehörigkeit der Kinder nicht angegeben.

  • In allen vier Studien wurde körperliche Aktivität mit keiner körperlichen Aktivität verglichen.

  • Eine Studie verglich zudem eine Art körperlicher Aktivität (Exergaming) mit einer anderen (Übungen im Schwimmbad).

  • Eine Studie verglich zudem die Ausübung derselben körperlichen Aktivitäten über 20 Minuten mit der über 40 Minuten.

HauptergebnisseKörperliche Aktivität im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität

Im Vergleich zu keiner körperlichen Aktivität hatten Kinder mit Adipositas, die an einem der Bewegungsprogramm teilnahmen, möglicherweise:

  • ihren BMI leicht gesenkt: Der BMI der Kinder in den körperlich aktiven Gruppen war im Durchschnitt um 1,52 kg/m 2 niedriger (2 Studien, 118 Kinder);

  • mehr leichte unerwünschte Wirkungen erlebt: Bei Kindern in den aktiven Gruppen war die Wahrscheinlichkeit, leichte unerwünschte Wirkungen zu erleben, etwa 3,5-mal höher (1 Studie, 222 Kinder).

Wir sind jedoch sehr unsicher, was diese Ergebnisse angeht.

Es ist unklar, ob die untersuchten Aktivitätsprogramme bei Kindern einen Einfluss auf Folgendes haben:

  • BMI-Z-Score;

  • Gewicht;

  • Wohlbefinden;

  • Körperfettanteil oder die Verteilung des Körperfetts;

  • Blutzuckerwerte;

  • Risiko, schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden.

Vergleich verschiedener Arten und Umfänge körperlicher Aktivität

Es ist sehr unsicher, ob eine bestimmte Art oder ein bestimmter Umfang körperlicher Aktivität die untersuchten Ergebnisse anders beeinflusst als eine andere Art oder ein anderer Umfang.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist begrenzt, da:

  • es nur wenige Studien mit jeweils wenigen Teilnehmenden gab;

  • in den Studien unterschiedliche Arten körperlicher Aktivität untersucht wurden;

  • die Studien ihre Methoden und Ergebnisse nur unzureichend beschrieben;

  • drei von vier Studien nicht alle ihre Ergebnisse berichteten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025.

Loaiza-Betancur AF, Iglesias Gonzalez LE, Chavez Guapo N, Escobar Liquitay CM, Bidonde J

Verbessern Medikamente, die das Immunsystem beim Erkennen und Bekämpfen von Krebszellen unterstützen, die Behandlungsergebnisse bei älteren Menschen mit operablem Lungenkrebs?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Medikamente, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen, können bei Menschen ab 65 Jahren, die wegen der häufigsten Form von Lungenkrebs operiert werden, den Tumor verkleinern und wahrscheinlich das Wiederauftreten der Erkrankung hinauszögern. Allerdings verlängern diese Medikamente wahrscheinlich nicht die Gesamtlebenszeit der Betroffenen.

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um beurteilen zu können, ob der Nutzen dieser Medikamente ihre Risiken überwiegt. Zudem wurde in keiner der Studien untersucht, wie sich die Behandlung auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt.

Was ist ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann?

Etwa 85 % der Menschen mit Lungenkrebs leiden an sogenanntem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC). Er tritt am häufigsten bei älteren Erwachsenen auf, wobei das Durchschnittsalter bei der Diagnose bei 71 Jahren liegt. Wenn sich der Krebs noch nicht über die Lunge hinaus ausgebreitet hat und die Person fit genug für eine Operation ist, kann der Tumor entfernt werden. Allerdings kann der Krebs nach der Behandlung wieder auftreten, und zwischen 30 % und 55 % der Betroffenen sterben letztendlich an der Krankheit. Um das Risiko eines Rückfalls zu verringern, können verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert werden.

Wie wird nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, der operiert werden kann, behandelt?

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von Lungenkrebs durch die Entdeckung von Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen (Immuntherapien), grundlegend verändert. Immuntherapien werden in Kombination mit Medikamenten angewendet, die Krebszellen abtöten (Chemotherapien). Eine Immuntherapie vor oder nach der Operation – oder in beiden Behandlungsphasen – kann die Heilungschancen verbessern und dazu beitragen, ein Wiederauftreten der Erkrankung hinauszuzögern.

Was wollten wir herausfinden?

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem und kann Krebszellen weniger wirksam bekämpfen. Dieser Prozess wird als Immunoseneszenz bezeichnet. Ältere Menschen sind eine sehr vielfältige Gruppe. Deshalb sollte jede Person individuell beurteilt werden, denn das Alter allein reicht nicht aus, um die am besten geeignete Behandlung festzulegen. Wir wollten herausfinden, ob eine Immuntherapie bei Menschen ab 65 Jahren trotz der altersbedingten Veränderungen des Immunsystems wirksam ist, die Heilungschancen verbessert, das Leben verlängert und welche unerwünschten Wirkungen sie verursacht.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach hochwertigen Studien, in denen bei Menschen ab 65 Jahren eine Immuntherapie – allein oder zusammen mit einer Chemotherapie – vor der Operation, nach der Operation oder in beiden Behandlungsphasen untersucht wurde. Wir fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem, wie die Studien durchgeführt wurden und wie viele Personen daran teilnahmen.

Was fanden wir heraus?

Für Menschen ab 65 Jahren fanden wir Ergebnisse aus 11 Studien mit insgesamt 3152 Personen mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Studien verglichen eine Immuntherapie mit einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung. In einigen Studien erhielten beide Behandlungsgruppen zusätzlich eine Chemotherapie. Die Behandlungen wurden entweder nur vor der Operation, nur danach oder sowohl vor als auch nach der Operation verabreicht.

Die Immuntherapie verringert die Menge an Krebsgewebe, die zum Zeitpunkt der Operation noch vorhanden ist, und verzögert wahrscheinlich ein Wiederauftreten der Erkrankung. Die Immuntherapie hat wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben. Es lag nicht genügend Evidenz vor, um die unerwünschten Wirkungen der Behandlung beurteilen zu können. Zudem wurde in keiner Studie das Wohlbefinden der Teilnehmenden untersucht.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den meisten Ergebnissen ist moderat, da einige Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Studien bestehen. Es werden umfangreichere Daten über längere Zeiträume benötigt, um besser beurteilen zu können, ob und um wie viel die Behandlung die Lebenszeit verlängert. Unser Vertrauen in die Evidenz zu unerwünschten Wirkungen ist sehr gering, da nur eine Studie hierzu Daten lieferte.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2025.

Plissonneau E, Marchal C, Malouf R, Calais F, Westeel V, Orillard E

Welche Vor- und Nachteile hat es, den Blutdruck nach einer Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung bei Menschen mit ischämischem Schlaganfall stärker zu senken als üblich?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Bei Erwachsenen, deren Blutfluss in einer verschlossenen Hirnarterie wiederhergestellt wurde, erhöht eine sehr intensive Blutdrucksenkung – in den meisten Studien unter 140 mmHg – im Vergleich zu den üblichen Blutdruckzielen von etwa unter 180 mmHg nicht die Wahrscheinlichkeit, drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben zu können. „Selbstständig leben“ bedeutet, ohne Hilfe gehen und die meisten alltäglichen Aufgaben bewältigen zu können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Risiko zu sterben und sich nach dem Schlaganfall schlecht zu erholen. Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen führt sie möglicherweise zu keinem oder nur einem geringen Unterschied.

  • Die meisten Studienteilnehmenden wurden in Krankenhäusern mit spezialisierten Schlaganfallversorgung in Ländern mit oberem mittlerem oder hohem Einkommen behandelt. Wir wissen nicht, ob die Ergebnisse auch in Ländern mit weniger Ressourcen oder für alle Menschen mit ischämischem Schlaganfall gelten.

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Bei einem ischämischen Schlaganfall wird diese Unterbrechung durch ein Blutgerinnsel verursacht, das eine Arterie im Gehirn verstopft. Dies kann verschiedene neurologische Beschwerden verursachen, etwa Schwäche, ein vermindertes Gefühl in einzelnen Körperteilen, Koordinationsprobleme und Schwierigkeiten beim Sprechen.

Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

Ärzt*innen können die verstopfte Arterie manchmal wieder öffnen, indem sie über eine Vene ein Medikament verabreichen, das das Blutgerinnsel auflöst. Alternativ können sie das Gerinnsel mithilfe eines dünnen, durch die Blutgefäße vorgeschobenen Schlauchs entfernen. Dieses Verfahren wird mechanische Thrombektomie genannt. Beide Verfahren werden als Reperfusionsbehandlungen bezeichnet, weil sie die Durchblutung des Gehirns wiederherstellen.

Nach der Reperfusion haben viele Menschen einen sehr hohen Blutdruck, der das Risiko für eine Hirnblutung erhöhen kann. Wird der Blutdruck jedoch zu stark oder zu schnell gesenkt, kann dies die Blutversorgung von noch gefährdetem Hirngewebe beeinträchtigen und dadurch das Gehirn schädigen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine intensive Blutdrucksenkung nach einer Reperfusionsbehandlung im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle:

  • die Genesung und die Fähigkeit zu einem selbstbestimmten Leben verbessert;

  • die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert;

  • die Überlebensrate verbessert;

  • das Auftreten von Hirnblutungen erhöht oder verringert;

  • die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt;

  • die Häufigkeit anderer unerwünschter Wirkungen beeinflusst.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach klinischen Studien, in denen Erwachsene mit ischämischem Schlaganfall nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt wurden. Sie hatten eine Reperfusionsbehandlung mit einem gerinnselauflösenden Medikament, einer mechanischen Thrombektomie oder beidem erhalten. Kurz nach der Reperfusion wurden niedrigere Blutdruckziele von unter 160 mmHg mit den üblichen Zielwerten von unter 180 mmHg verglichen.

Wir haben die Ergebnisse der Studien zusammengefasst und ausgewertet. Wir berücksichtigten außerdem, wie die Studien durchgeführt wurden, wie viele Personen daran teilnahmen und wie ähnlich oder unterschiedlich die Studien waren. So beurteilten wir, wie verlässlich die Ergebnisse sind.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden neun Studien mit insgesamt 4.381 Erwachsenen mit ischämischem Schlaganfall, die eine Reperfusionsbehandlung erhielten. Die meisten Teilnehmenden wurden in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen behandelt, eine geringere Anzahl in Krankenhäusern in Ländern mit mittlerem Einkommen. Keine der Studien fand in Ländern mit niedrigem Einkommen statt. In den meisten Studien sollte der systolische Blutdruck – also der obere Wert bei der Blutdruckmessung – bei der intensiven Strategie unter 140 mmHg und bei der üblichen Strategie unter etwa 180 mmHg gehalten werden.

Hauptergebnisse
  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat im Vergleich zur üblichen Blutdruckkontrolle kaum oder keinen Einfluss darauf, ob Menschen etwa drei Monate nach dem Schlaganfall selbstständig leben können.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung hat wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht oder verringert die Häufigkeit von Hirnblutungen insgesamt nicht. Bei symptomatischen Hirnblutungen, die mit einer Verschlechterung der Beschwerden einhergehen, gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied zur üblichen Blutdruckkontrolle.

  • Eine intensive Blutdrucksenkung erhöht wahrscheinlich das Sterberisiko und wahrscheinlich auch das Risiko einer schlechten Genesung nach einem Schlaganfall.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Senkung des Blutdrucks auf sehr niedrige Zielwerte nach der Reperfusion wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen bringt und manchen Menschen möglicherweise schadet.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Evidenz weist mehrere wichtige Einschränkungen auf. So nahmen an einigen Studien nur relativ wenige Personen teil, wodurch die Ergebnisse weniger verlässlich sind. Zudem wurden die meisten Teilnehmenden in spezialisierten Zentren in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen behandelt; es liegt keine Evidenz aus Ländern mit niedrigem Einkommen vor. Bestimmte Personengruppen waren in den Studien möglicherweise nur unzureichend vertreten, etwa ältere Menschen mit mehreren weiteren Erkrankungen. Außerdem berichteten viele Studien die Ergebnisse nicht getrennt für Frauen und Männer.

Aufgrund dieser Einschränkungen sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Weitere Forschung ist nötig, um herauszufinden, ob bestimmte Personengruppen von anderen Blutdruckzielen profitieren könnten.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf dem Stand von März 2025.

Varela LB, Escobar Liquitay CM, Díaz Menai S, Rodriguez JP, Quarteroni E, Ivaldi D, Burgos MA, Meza N, Garegnani LI

Welche Behandlungen helfen bei Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) an der Hüfte, den Beinen oder Füßen bei Kindern und Jugendlichen?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Bei den meisten Kindern mit Schmerzen an den Sehnenansätzen (Apophysitis) bessern sich die Beschwerden im Laufe der Zeit. Es ist ungewiss, ob eine Behandlung der Apophysitis die Schmerzen kurzfristig lindert, sowie die körperliche Funktionsfähigkeit und die Teilnahme am Sport beeinflusst.

  • Es ist unklar, ob eine bestimmte Behandlung besser oder schlechter ist als eine andere. Die Studien waren größtenteils klein und wiesen Mängel im Studiendesign auf. Die Studien erfassten unerwünschte Wirkungen nicht durchgängig. Keine Studie untersuchte, ob Kinder die Teilnahme aufgrund unerwünschter Wirkungen abbrachen.

  • Die Evidenz ist begrenzt. In den meisten Studien nahmen mehr Jungen als Mädchen teil. Zudem wurden Kinder eingeschlossen, die überdurchschnittlich körperlich aktiv waren. Die Kinder wussten oft, welcher Behandlungsgruppe sie zugeteilt waren, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Was ist eine Apophysitis?

Während des Wachstums entwickeln Kinder und Jugendliche manchmal belastungsabhängige Schmerzen an Sehnenansätzen der Hüfte, den Beinen oder Füßen. Diese Schmerzen werden in der Regel durch eine Reizung der Sehnenansätze infolge wiederholter und länger andauernder Belastung verursacht, und nicht durch ein einzelnes Ereignis. Die Schmerzen sind meist von kurzer Dauer und haben nur begrenzte Auswirkungen auf das Leben des Kindes. Manchmal können die Schmerzen jedoch dazu führen, dass Kinder hinken, weniger Sport treiben oder körperlich weniger aktiv sind. Je nachdem, an welcher Stelle von Hüfte, Knie oder Fuß die Beschwerden auftreten, werden sie unterschiedlich bezeichnet. Zusammenfassend spricht man von „Apophysitis“ oder „apophysären Beschwerden der unteren Extremitäten“.

Wie wird eine Apophysitis behandelt?

An der Behandlung einer Apophysitis können unterschiedliche Gesundheitsfachkräfte beteiligt sein, darunter Hausärzt*innen, Physiotherapeut*innen und Podolog*innen. Zum Einsatz kommen verschiedene Behandlungen, darunter Bewegungs- und Dehnübungen, Medikamente, Bandagen oder Schienen sowie Hilfsmittel für die Schuhe, etwa spezielles Schuhwerk oder Fersenerhöhungen. Unabhängig von der Behandlung bessert sich eine Apophysitis in der Regel von selbst. In einigen Fällen jedoch können die Schmerzen lange bestehen bleiben.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Behandlungen Schmerzen wirksam lindern, und verstehen, wie sicher diese Behandlungen sind. Wir wollten wissen, welche Behandlungen die körperliche Funktionsfähigkeit der Kinder verbessern und ihre Teilnahme am Sport ermöglichen. Außerdem wollten wir wissen, ob eine Behandlung besser wirkt als eine andere.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungsmethoden für Apophysitis an Hüfte, Knie und Fuß untersucht wurden. Wir haben nicht nach Behandlungen gesucht, die eine Operation umfassten.

Wir haben die Ergebnisse von Studien zusammengefasst, in denen dieselben Behandlungen untersucht wurden und ähnliche Methoden zur Messung der Wirksamkeit verwendet wurden. Und wir haben die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 10 Studien mit 654 Kindern, deren Durchschnittsalter zwischen 10,3 und 13,3 Jahren lag. Sieben Studien befassten sich mit Schmerzen der Ferse (Kalkaneusapophysitis), drei mit Schmerzen an der Vorderseite des Knies (Traktionsapophysitis des Tibiatuberkel).

Hauptergebnisse
  • Eine Studie (23 Kinder) verglich ein Medikament (Dexamethason) mit einem Placebo (Scheinbehandlung). Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Zwei Studien (74 Kinder) berichteten über unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, doch auch hier war die Evidenz sehr ungewiss.

  • Eine Studie (21 Kinder) verglich Dexamethason mit der Standardversorgung. Es ist sehr unsicher, ob Dexamethason die Schmerzen lindert, die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert oder den Kindern hilft, kurzfristig wieder Sport zu treiben. Eine Studie (30 Kinder) berichtete über unerwünschte Wirkungen, doch die Evidenz war ebenfalls sehr ungewiss.

  • Eine Studie (22 Kinder) verglich Kinesio-Tape mit einem Placebo. Es ist sehr unsicher, ob Kinesio-Tape kurzfristig Schmerzen lindert oder die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport oder über unerwünschte Wirkungen.

  • Eine Studie (124 Kinder) verglich Fußorthesen mit Fersenerhöhungen. Sie zeigte, dass es kurzfristig wahrscheinlich kaum oder gar keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungen hinsichtlich der Schmerzen oder der körperlichen Funktionsfähigkeit gibt. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport. Eine Studie (101 Kinder) berichtete, dass keine unerwünschten Wirkungen auftraten.

  • Eine Studie mit 43 Kindern verglich eine Fersenpolsterung mit einem Fersenband. Es ist sehr unsicher, ob Fersenpolster kurzfristig die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern oder unerwünschte Wirkungen verursachen. Die Studie berichtete nicht über die Teilnahme am Sport.

  • In keiner der Studien wurde berichtet, ob Kinder aufgrund von unerwünschten Wirkungen aus den Studien ausgeschieden sind.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?
  • In den meisten Studien wussten die Kinder und ihre Betreuer*innen, welche Behandlung sie erhielten, was möglicherweise Einfluss darauf hatte, wie sie über Verbesserungen berichteten. Dies könnte die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen.

  • Eine Apophysitis bessert sich häufig von selbst, wenn die Kinder weiterwachsen und sich die Apophysenfugen schließen. Daher ist schwer zu beurteilen, ob eine Besserung durch die Behandlung oder durch den natürlichen Heilungsverlauf bedingt ist.

  • An den Studien nahmen deutlich mehr Jungen als Mädchen teil, und die meisten Teilnehmenden waren körperlich sehr aktiv. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Erkrankung bei Jungen und Mädchen unterschiedlich auswirkt. Unklar ist jedoch, ob die Ergebnisse auf weniger körperlich aktive Kinder übertragbar sind.

  • Außerdem umfassten die meisten Studien nur eine geringe Zahl an Teilnehmenden. Daher können wir den Ergebnissen nur begrenzt vertrauen und wissen nicht, ob sie sich auf eine größere Gruppe von Kindern mit Apophysitis übertragen lassen.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 4. Januar 2025.

Williams CM, Krommes K, Paterson KL, Haines T, Caserta A, Thorborg K

Welche Wirkungen hat eine Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) bei Kindern und Jugendlichen leicht. Das Wachstum (Gewicht) beeinflusst eine Jodsupplementierung möglicherweise nicht oder allenfalls geringfügig. In keiner der Studien wurden unerwünschte Wirkungen berichtet.

  • Eine Jodsupplementierung verringert wahrscheinlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und möglicherweise auch das Risiko, im Säuglingsalter zu sterben, in Regionen mit hoher Säuglingssterblichkeit. Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert, ist unklar.

  • Zukünftige Studien sollten sich auf Regionen und Bevölkerungsgruppen konzentrieren, in denen Jodmangel ein Problem sein könnte, und dabei auch Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen einbeziehen. Zukünftige Studien sollten höhere Joddosen über längere Behandlungs- und Nachbeobachtungszeiträume untersuchen.

Was ist Jod und warum ist es wichtig?

Jod ist ein Mineralstoff, den der Körper für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Diese Hormone sind wichtig für die normale Entwicklung des Körpers und des Gehirns. Da Jod für die körperliche und geistige Entwicklung wichtig ist, sollten Kinder ausreichend damit versorgt sein. Jodmangel bei Kindern kann das Wachstum und die Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Entwicklungsstörungen, eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und in schweren Fällen auch ein erhöhtes Risiko, im Säuglingsalter zu sterben.

Wichtige Jodquellen in der Ernährung sind jodiertes Speisesalz, Fisch und andere Meeresprodukte sowie Milch und Milchprodukte. Auch Getreide kann Jod liefern, wenn es auf jodreichen Böden angebaut wurde. Eine Jodsupplementierung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Jodiertes Öl kann einmalig oder einmal jährlich in einen Muskel gespritzt werden. Kaliumjodid kann dagegen täglich oder wöchentlich in niedriger Dosis als Tablette, Kapsel oder Tropfen eingenommen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Jodsupplementierung im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung) Jodmangelerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verhindern kann. Außerdem wollten wir wissen, ob die Einnahme einer Jodsupplementierung mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die eine Jodsupplementierung mit einem Placebo bei Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Jodmangel verglichen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie gut sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden acht Studien mit insgesamt 2.528 Teilnehmenden, die die Wirkungen einer Jodsupplementierung zur Vorbeugung von Jodmangel bei Kindern und Jugendlichen untersuchten. Die Studien wurden zwischen 1982 und 2009 durchgeführt, überwiegend in einkommensschwachen Regionen in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. In den Studien wurde eine orale Jodsupplementierung mit einem Placebo verglichen. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden zusätzlich Eisen.

Jodsupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Eine Jodsupplementierung verbessert die Denkfähigkeit (kognitive Funktion) im Vergleich zu Placebo leicht (1 Studie, 166 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder (3 Studien, 658 Teilnehmende).

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich deutlich das Auftreten einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) (1 Studie, 264 Teilnehmende).

  • Keine der Studien berichtete über unerwünschte Wirkungen der Jodsupplementierung. Auch zur Lebensqualität lagen keine Daten vor.

  • Eine Jodsupplementierung verringert im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich das Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu sterben (1 Studie, 617 Säuglinge).

  • Ob eine Jodsupplementierung das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) verringert ist auf Basis von 2 Studien mit 432 Teilnehmenden unklar. Eine der beiden Studien verwendete keine ausreichend robusten Methoden. Wir schlossen diese Studie aus der Analyse aus. Danach zeigte sich, dass Jod das Auftreten einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) wahrscheinlich deutlich verringert (1 Studie, 230 Teilnehmende).

Jod- und Eisensupplementierung im Vergleich zu Placebo
  • Es ist unklar, ob eine Jod-plus-Eisen-Supplementierung das Körpergewicht beeinflusst (1 Studie, 146 Teilnehmende).

  • Zu den Wirkungen auf die kognitive Funktion, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), unerwünschte Wirkungen, Lebensqualität, Todesfälle jeglicher Ursache und Schilddrüsenvergrößerung (Struma) lagen keine Daten vor.

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war je nach Ergebnis unterschiedlich und reichte von hoch bis sehr niedrig. Unser Vertrauen in die Evidenz war in einigen Fällen begrenzt, weil:

  • es möglich ist, dass die Teilnehmenden in den Studien wussten, welche Behandlung sie erhielten;

  • die Studien an unterschiedlichen Personengruppen durchgeführt wurden;

  • es nicht genügend Studien gibt, um die Ergebnisse mit Sicherheit beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2025.

Velasco I, Rueda-Etxebarria M, Trak-Fellermeier MA, Taylor P, Rabassa Bonet M, Chi Y, Janka H, Rueda JR

Welche Kombinationen von inhalativen Medikamenten sind bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wirksam und sicher?

1 week 1 day ago
Kernaussagen

• Die Anwendung eines Inhalators, der einen langwirksamen Muskarin-Antagonisten plus einen langwirksamen Beta-Agonisten (LAMA+LABA) enthält, verbessert bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wahrscheinlich die Lungenfunktion und senkt das Risiko einer Lungenentzündung im Vergleich zu LABA plus einem inhalativen Kortikosteroid (LABA+ICS).

• LAMA+LABA und LABA+ICS verringern COPD-Exazerbationen wahrscheinlich ähnlich stark und verbessern die Lebensqualität wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß.

• Bei Personen, die LAMA+LABA erhielten, war das Sterberisiko wahrscheinlich geringfügig höher.

Was ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und wie wird sie behandelt?

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine langfristige Lungenerkrankung, die durch Husten, Auswurf (Schleim aus der Lunge) und Atembeschwerden gekennzeichnet ist. 

COPD wird unter anderem mit sogenannten Bronchodilatatoren (bronchienerweiternden Medikamenten) behandelt. Sie entspannen die Muskulatur der Atemwege und erweitern dadurch die Bronchien, sodass das Atmen leichter fällt. Zwei wichtige Arten von Bronchodilatatoren sind langwirksame Muskarin-Antagonisten (LAMAs) und langwirksame Beta-Agonisten (LABAs). Leitlinien empfehlen für Menschen mit stabiler COPD und hohem Risiko eine Inhalationsbehandlung mit einer Kombination aus LAMA und LABA oder aus LABA und einem inhalativen Kortikosteroid (ICS). Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir untersuchten die Ergebnisse von Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder LAMA+LABA oder LABA+ICS erhielten, und verglichen die Wirkungen der beiden Behandlungen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die den Nutzen und die Risiken von LAMA+LABA und LABA+ICS bei der Behandlung von Menschen mit COPD untersuchten. Wir haben diese Ergebnisse zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 19 Studien mit 22.354 Teilnehmenden ein. Die Studien dauerten zwischen 6 und 52 Wochen. An den Studien nahmen mehr Männer als Frauen teil (etwa 70 % der Teilnehmenden waren Männer), und das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 64 Jahren. Die meisten Studien umfassten Menschen mit mittelschwerer bis schwerer COPD. An den meisten Studien waren Pharmaunternehmen beteiligt, was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen könnte.

Im Vergleich zu LABA+ICS verbesserte LAMA+LABA die Lungenfunktion und verringerte das Risiko für eine Lungenentzündung von 5 % auf 3 %. Gleichzeitig erhöhte LAMA+LABA wahrscheinlich das Sterberisiko geringfügig (von 1 % auf 1,4 %). LAMA+LABA hatte im Vergleich zu LABA+ICS wahrscheinlich kaum oder gar keinen Einfluss auf COPD-Exazerbationen (Schübe). Die Teilnehmenden in beiden Behandlungsgruppen berichteten über eine ähnliche Lebensqualität. Auch das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen war etwa gleich; solche Ereignisse traten jedoch nur selten auf. 

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war mäßig bis hoch, da die einbezogenen Studien gut konzipiert waren und eine ausreichende Anzahl von Teilnehmenden mit überwiegend mittelschwerer bis schwerer COPD umfassten.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist auf dem Stand vom 10. September 2022. Die Ergebnisse laufender oder künftiger Studien zu neu entwickelten Medikamenten stehen noch aus. Diese Übersichtsarbeit sollte in einigen Jahren erneut aktualisiert werden.

Fukuda N, Horita N, Kaneko A, Goto A, Kaneko T, Ota E, Kew KM

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