Cochrane Kompakt

Helfen Bewegungsprogramme Jugendlichen mit Adipositas?

1 day ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme verringern bei Jugendlichen mit Adipositas im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm möglicherweise geringfügig das Körpergewicht, den Taillenumfang und den Körperfettanteil – jeweils gemessen am Ende der Intervention.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Auswirkungen auf andere Körpermaße oder durch Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme haben.

  • Wir benötigen größere, länger dauernde und qualitativ hochwertigere Studien, um die Wirkungen von Bewegungsprogrammen bei Jugendlichen mit Adipositas verlässlicher beurteilen zu können.

Was ist Adipositas?

Adipositas bedeutet, dass eine Person so viel Körperfett hat, dass dies ihre Gesundheit beeinträchtigen kann. Weltweit hat sich die Adipositas bei Jugendlichen (im Alter von 10 bis 19 Jahren) seit 1990 verdreifacht, und bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 300 Millionen Kinder und Jugendliche an Adipositas leiden.

Adipositas im Kindes- und Jugendalter kann sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken und das Risiko für Krebs, Leber- oder Nierenerkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen.

Eine Gewichtsabnahme ist der beste Weg, die gesundheitlichen Risiken von Adipositas zu verringern. Dies geschieht in der Regel durch Änderungen des Lebensstils, wie mehr körperliche Aktivität (z. B. Schwimmen, Laufen, Krafttraining) und eine gesündere Ernährung, durch chirurgische Eingriffe oder Medikamente.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm Jugendlichen mit Adipositas hilft:

  • Gewicht zu verlieren und den BMI (Body-Mass-Index; ein Maß zur Beurteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße), den BMI-z-Score (ein Maß dafür, wie der BMI im Vergleich zu anderen Personen gleichen Alters und Geschlechts liegt), den Taillenumfang und den Körperfettanteil zu senken;

  • ihren Blutzuckerspiegel und ihre Insulinresistenz zu senken (Insulin ist ein Hormon, das dabei hilft, den Blutzuckerspiegel zu regulieren).

Wir wollten außerdem herausfinden, ob bestimmte Bewegungsformen diese Wirkungen besser erzielen als andere und ob die Bewegungsprogramme unerwünschte oder schädliche Ereignisse verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnahme an einem Bewegungsprogramm (wie Ausdauertraining, Krafttraining oder Fußball) verglichen wurde mit:

  • keinem Bewegungsprogramm;

  • einem anderen Bewegungsprogramm (zum Beispiel hochintensives Training im Vergleich zu Training mit mittlerer Intensität).

Die Jugendlichen mussten mindestens 12 Wochen lang an diesem Bewegungsprogramm teilnehmen. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und beurteilten unser Vertrauen in die Evidenz, basierend auf Faktoren wie Studienmethoden und Anzahl an Teilnehmenden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 30 Studien mit insgesamt 1.508 Jugendlichen. Die Studien waren klein: Die kleinste umfasste nur 21 Jugendliche, die größte 106. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Jugendlichen waren weiblich (46 %). Ihr Durchschnittsalter lag zwischen 10 und fast 17 Jahren. Die Studien wurden in 15 Ländern durchgeführt: 5 in Tunesien; je 4 in China und im Iran; 3 in Brasilien; je 2 in Kanada, Spanien und den USA; sowie je eine in Australien, Estland, Indien, Mexiko, Südkorea, Schweden, Taiwan und Thailand.

Die meisten Studien dauerten 12 oder 13 Wochen; die längste Studie dauerte 32 Wochen.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien in zwei übergeordneten Vergleichen zusammen:

  • jede Art von Bewegungsprogramm (z. B. Ausdauertraining, aktive Videospiele) im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm (22 Studien);

  • eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen (17 Studien).

HauptergebnisseBewegungsprogramme im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm

Im Vergleich zu keinem Bewegungsprogramm führen Bewegungsprogramme möglicherweise zu einer leichten Verringerung:

  • des Körpergewichts: Jugendliche in den aktiven Gruppen wogen im Durchschnitt 1,88 kg weniger (17 Studien, 749 Jugendliche);

  • des Taillenumfangs: In den aktiven Gruppen war der durchschnittliche Taillenumfang der Jugendlichen um 2,88 cm geringer (10 Studien, 476 Jugendliche);

  • des Körperfettanteil: In den aktiven Gruppen lag der durchschnittliche Körperfettanteil der Jugendlichen um 2,96 % niedriger (9 Studien, 313 Jugendliche).

Es ist sehr unsicher, welche Wirkungen Bewegungsprogramme auf folgende Faktoren haben:

  • BMI;

  • BMI-Z-Score;

  • Blutzuckerwerte;

  • Insulinresistenz;

  • unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Eine Form von Bewegung im Vergleich zu einer anderen

Wir sind sehr unsicher, ob sich verschiedene Bewegungsformen in ihren Wirkungen auf die untersuchten Aspekte unterscheiden.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist aus folgenden Gründen begrenzt:

  • Die Studien waren klein;

  • in den Studien wurden unterschiedliche Formen von Bewegung untersucht;

  • die Studien haben ihre Methoden und Ergebnisse unzureichend berichtet;

  • in einigen Studien wurden nicht alle Ergebnisse berichtet;

  • keine Studie berichtete über unerwünschte, schädliche Ereignisse.

Die Studien, die verschiedene Bewegungsformen miteinander verglichen, unterschieden sich stark. Deshalb konnten wir ihre Ergebnisse meist nicht zusammenfassen und keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen. Daher wissen wir nicht, ob eine bestimmte Form von Bewegung besser ist als eine andere.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf den Stand von Dezember 2025.

Meneses-Echavez JF, Chavez Guapo N, Loaiza-Betancur AF, Iglesias Gonzalez LE, Escobar Liquitay CM, Bidonde J

Welche Nutzen und Risiken birgt das Medikament Zuclopenthixolacetat für Menschen mit einer Psychose, die aggressives Verhalten zeigen?

5 days 1 hour ago
Kernaussagen
  • Zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardtherapien gibt es nur geringe Unterschiede: Wahrscheinlich sind nach 24 und 48 Stunden mehr Patient*innen unter Zuclopenthixolacetat sediert (schläfrig), und sie benötigen möglicherweise weniger zusätzliche Dosen von Benzodiazepinen (Beruhigungsmitteln). Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

  • Es sind weitere hochwertige Studien erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die langfristige Beeinträchtigungen verursachen und den Alltag erheblich einschränken kann. Menschen mit Schizophrenie können Schwierigkeiten haben, zwischen der Realität und Dingen zu unterscheiden, die nicht real sind (Psychose). Sie können zum Beispiel Stimmen hören (akustische Halluzinationen), Dinge sehen, die nicht vorhanden sind (visuelle Halluzinationen), oder feste Überzeugungen haben, die nicht der Realität entsprechen (Wahnvorstellungen). Diese Erfahrungen können beängstigend und belastend sein. Manchmal können diese Symptome dazu führen, dass Menschen sich selbst oder anderen gegenüber aggressiv oder gewalttätig verhalten. Allerdings haben Menschen mit Schizophrenie auch ein erhöhtes Risiko, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Der Umgang mit Aggressivität und gewalttätigem Verhalten bei Menschen mit Schizophrenie ist wichtig. Ziel sollte es sein, negative Einstellungen und Stigmatisierung abzubauen und eine sichere, respektvolle Behandlung zu fördern.

Welche Medikamente werden zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt?

Die Medikamente können beruhigend wirken (tranquilisierende Wirkung), starke Unruhe oder Angst lindern, Aggressivität reduzieren und Schläfrigkeit beziehungsweise Schlaf fördern (sedierende Wirkung). Im Idealfall sollten diese Medikamente psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen behandeln, möglichst selten eingesetzt werden und nur wenige unerwünschte Wirkungen verursachen, zum Beispiel Schmerzen an der Injektionsstelle oder unwillkürliches Zittern.

Zuklopenthixolacetat ist ein injizierbares Antipsychotikum, dessen Wirkung zwei bis drei Tage anhalten kann. In dieser Übersichtsarbeit wurde untersucht, wie wirksam Zuclopenthixolacetat im Vergleich zu anderen üblicherweise eingesetzten Medikamenten bei der Behandlung von Psychosen, Aggressivität oder gewalttätigem Verhalten ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Zuclopenthixolacetat akute Verhaltensänderungen bei Menschen mit Schizophrenie besser behandelt als üblicherweise eingesetzte Medikamente. Wir untersuchten, wie schnell die Medikamente dazu beitrugen, dass die Betroffenen ruhig und schläfrig wurden, welche Gesamtwirkung sie auf die Betroffenen und ihr Verhalten hatten und ob unerwünschte Wirkungen auftraten.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Zuclopenthixolacetat bei Menschen mit Schizophrenie oder ähnlichen schweren psychischen Erkrankungen und akuten Verhaltensstörungen mit anderen üblichen Behandlungen verglichen wurde. Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethodik und Stichprobengröße bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 11 Studien mit insgesamt 714 Menschen ein. Wir stellten nur geringe Unterschiede zwischen Zuclopenthixolacetat und anderen üblichen Behandlungen fest. Wahrscheinlich waren etwa 24 Stunden nach der Behandlung mehr Menschen, die Zuclopenthixolacetat erhielten, sediert. In den ersten 15 Minuten war dies jedoch möglicherweise nicht der Fall. Personen, denen Zuclopenthixolacetat verabreicht wurde, benötigen möglicherweise weniger Dosen von Benzodiazepinen. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Dosierungen von 25 mg bis 50 mg Zuclopenthixolacetat pro Injektion sind möglicherweise ebenso wirksam wie Dosierungen von 50 mg bis 100 mg pro Injektion. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher. Hinsichtlich unerwünschter Wirkungen gibt es möglicherweise keinen deutlichen Unterschied zwischen Zuclopenthixolacetat und Standardmedikamenten. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Viele der eingeschlossenen Studien waren klein und wiesen methodische Schwächen sowie Mängel in der Berichterstattung auf. Daher ist unser Vertrauen in die Evidenz begrenzt. Weitere hochwertige Studien sind erforderlich, um den Nutzen und die Risiken von Zuclopenthixolacetat besser beurteilen zu können.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz in dieser Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Jayakody K, Chuang S, Gunadasa S, Gibson RC, Kumar A, Tune P

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Behandlungen gegen Lippenherpes?

5 days 1 hour ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung beschleunigen Aciclovir- und Penciclovir-Cremes wahrscheinlich die Heilung von Lippenherpes um etwa einen Tag, ohne das Risiko unerwünschter Ereignisse zu erhöhen. Im direkten Vergleich haben beide Cremes möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und das Risiko unerwünschter Ereignisse. Im Vergleich zu Placebo haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes, während Valaciclovir-Tabletten die Heilungsdauer um etwa einen Tag verkürzen.

  • Unerwünschte Ereignisse traten bei allen Behandlungen selten auf.

  • Wenn in Studien zu Lippenherpes einheitliche Endpunkte untersucht würden, ließen sich die Ergebnisse besser miteinander vergleichen. Das könnte Ärztinnen und Ärzten weltweit helfen, die am besten geeigneten Behandlungen auszuwählen.

Was ist Lippenherpes?

Lippenherpes (Herpes labialis) ist eine Infektion, die durch das Herpes-simplex-Virus verursacht wird und bei der sich schmerzhafte Bläschen an und um die Lippen bilden. Lippenherpes ist weit verbreitet und ansteckend. Bei vielen Betroffenen tritt die Erkrankung immer wieder auf. Die Beschwerden und das unangenehme Gefühl, dass die Bläschen für andere sichtbar sind, können das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen. In einigen Fällen kann unbehandelter Lippenherpes zu schweren Komplikationen führen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Lippenherpes?

Standardbehandlungen bei Lippenherpes zielen darauf ab, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Dazu gehören antivirale Cremes wie Aciclovir und Penciclovir, die direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, sowie antivirale Tabletten wie Aciclovir und Valaciclovir. Andere Behandlungen sind weniger verbreitet oder werden noch erprobt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, welche Behandlungen bei Lippenherpes die Heilung beschleunigen und die Symptome lindern können. Außerdem wollten wir wissen, ob Behandlungen gegen Lippenherpes unerwünschte Wirkungen haben.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen verschiedene Behandlungen gegen Lippenherpes bei Menschen mit gesundem Immunsystem mit einem Placebo (Scheinbehandlung), keiner Behandlung oder anderen Behandlungen verglichen wurden. Wir fassten die Daten aus den Studien zusammen, um übergreifende Erkenntnisse zu gewinnen. Außerdem bewerteten wir unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Größe der Studien.

Wir konzentrierten uns vor allem auf die gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes, berücksichtigten aber auch die Evidenz zu allen anderen Behandlungsarten.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit 22.631 Teilnehmenden (überwiegend Frauen) einbezogen. Die Studien wurden in Europa, Nordamerika, Australien und Asien durchgeführt und untersuchten insgesamt 58 verschiedene Behandlungen. Die Studiendauer war unterschiedlich, in den meisten Studien wurden die Teilnehmenden jedoch über den Verlauf einer einzelnen Lippenherpes-Episode hinweg beobachtet.

Die meisten Studien (84 von 87) berichteten über die Heilungsdauer des Lippenherpes. Etwas mehr als die Hälfte der Studien (49 von 87) berichtete über unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten. In 58 Studien wurden leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse erfasst.

43 Studien wurden von der pharmazeutischen Industrie und 25 von gemeinnützigen Organisationen finanziert. Eine Studie erhielt keine Finanzierung, bei weiteren 18 Studien fehlten Angaben zur Finanzierungsquelle.

Hauptergebnisse

Neben der Heilungsdauer und unerwünschten Ereignissen interessierte uns auch, wie sich die Behandlungen auf die Beschwerden, den Schweregrad des Lippenherpes und die Stärke der Schmerzen auswirken. Allerdings lieferte keine der Studien zu den gängigsten Behandlungen auswertbare Ergebnisse zu diesen Endpunkten.

Antivirale Cremes im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • verkürzt Aciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (7 Studien, 3.475 Teilnehmende). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten (9 Studien, 6.574 Teilnehmende), sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (8 Studien, 6.525 Teilnehmende) ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo;

  • verkürzt Penciclovir-Creme die Heilungsdauer von Lippenherpes wahrscheinlich um etwa einen Tag (1 Studie, 528 Personen). Das Risiko für unerwünschte Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung führten, sowie für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse ist wahrscheinlich ähnlich wie unter Placebo (2 Studien, 3.598 Personen).

Antivirale Tabletten im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu Placebo:

  • haben Aciclovir-Tabletten möglicherweise kaum oder gar einen Einfluss auf die Heilungsdauer von Lippenherpes (1 Studie, 145 Personen);

  • beschleunigen Valaciclovir-Tabletten die Heilung um etwa einen Tag (2 Studien, 1.218 Personen).

Die Aciclovir-Studie enthielt keine Angaben zu unerwünschten Ereignissen. In den Valaciclovir-Studien traten keine unerwünschten Ereignisse auf, die zum Abbruch der Behandlung führten. Leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse traten unter Valaciclovir und Placebo etwa gleich häufig auf (2 Studien, 1.856 Personen).

Penciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Creme

Penciclovir-Creme und Aciclovir-Creme haben möglicherweise ähnliche Wirkungen auf die Heilungsdauer und ein ähnliches Risiko für leichte oder mittelschwere unerwünschte Ereignisse (1 Studie, 225 Personen). In dieser Studie traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Aciclovir-Creme im Vergleich zu Aciclovir-Tabletten

Wir wollten die Wirkungen von Aciclovir-Creme und Aciclovir-Tabletten vergleichen, fanden jedoch keine Studien, die diese beiden Behandlungen direkt miteinander verglichen.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz zu den gängigsten Behandlungen gegen Lippenherpes ist überwiegend moderat oder gering, vor allem weil die Studien nur wenige Teilnehmende umfassten. Neuere Behandlungen wie die photodynamische Therapie, Laserbehandlungen, Zinkpflaster und Propolis-Salben bieten möglicherweise zusätzliche Vorteile. Die Evidenz dazu ist jedoch begrenzt.

Die meisten Studien umfassten Erwachsene, daher sind wir unsicher, wie diese Behandlungen bei Kindern wirken. Zudem wurden nur wenige Studien in Ostasien und in Regionen mit begrenzten Ressourcen durchgeführt.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Übersichtsarbeit umfasst Studien, die bis zum 23. September 2025 veröffentlicht wurden.

Lin HS, Lin PT, Shih IC, Lu ML, Tsai YS, Chi CC

Bewegungsprogramme zur Förderung der Knochenmineralisierung und des Wachstums bei Frühgeborenen

5 days 1 hour ago
Kernaussagen
  • Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen haben möglicherweise kurzfristig einen geringen positiven Einfluss auf die Knochenentwicklung und die Gewichtszunahme.

  • Bewegungsprogramme haben möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Zunahme der Körperlänge bei Frühgeborenen.

  • Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramm das Risiko von Frakturen (Knochenbrüchen) beeinflussen, und wir verfügen nicht über ausreichende Informationen, um langfristig den Nutzen oder mögliche Risiken zu bewerten.

Was versteht man unter einer beeinträchtigten Knochenentwicklung und einem verminderten Wachstum bei Frühgeborenen?

Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren) werden häufig so versorgt, dass körperliche Aktivität möglichst vermieden wird, um Stress und damit verbundene Komplikationen zu verringern. Ein Mangel an körperlicher Aktivität könnte jedoch die Knochenentwicklung und das Knochenwachstum beeinträchtigen, insbesondere bei Frühgeborenen mit einem sehr geringen Geburtsgewicht (weniger als 1500 g). Dies könnte langfristige Folgen haben, wie sie auch bei Kindern und Erwachsenen beobachtet werden, die über längere Zeit bettlägerig sind.

Was sind Bewegungsprogramme?

Bewegungsprogramme umfassen tägliche Übungen über mehrere Wochen, bei denen die Gelenke der Arme und Beine für einige Minuten sanft bewegt und belastet werden.

Was bedeutet Knochenmineralisierung?

Bei der Knochenmineralisierung werden Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Phosphor, in das neu gebildete Knochengewebe eingelagert. Dadurch werden die Knochen fest und stabil.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob Bewegungsprogramme während des ersten Krankenhausaufenthalts dazu beitragen, dass sich die Knochen von Frühgeborenen besser entwickeln und die Kinder besser wachsen. Wir wollten diese Wirkungen sowohl am Ende des Bewegungsprogramms als auch 12 bis 24 Monate nach dem errechneten Geburtstermin untersuchen. Außerdem wollten wir untersuchen, ob diese Programme das Risiko für Frakturen (Knochenbrüche) beeinflussen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Bewegungsprogramme bei Frühgeborenen mit einer Versorgung ohne strukturiertes Bewegungsprogramm verglichen wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 15 kleine Studien mit 434 Frühgeborenen in unsere Übersichtsarbeit einbezogen.

Wir stellten fest, dass Frühgeborene, die über mehrere Wochen täglich Bewegungsübungen erhielten, am Ende des Programms möglicherweise eine geringfügig bessere Knochenmineralisierung und eine etwas stärkere Gewichtszunahme aufwiesen.

Wir wissen nicht, ob Bewegungsprogramme den Knochenmineralgehalt langfristig beeinflussen, da keine der eingeschlossenen Studien diese Wirkung untersuchte. Es gab keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Bewegungsprogramm einen Einfluss auf das Längenwachstum haben. Die Evidenz zur Wirkung von Bewegungsprogrammen auf das Risiko für Knochenbrüche (Frakturen) ist sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist gering bis sehr gering, vor allem weil viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten oder methodische Schwächen aufwiesen. Wenn die Ergebnisse mehrerer Studien zusammengefasst wurden, waren sie häufig ungenau und unterschieden sich teilweise deutlich voneinander. Aus diesen Gründen sind wir unsicher, ob Bewegungsprogramme die Knochenmineralisierung, die Gewichtszunahme, das Längenwachstum oder das Risiko für Knochenbrüche nennenswert beeinflussen.

Die verfügbare Evidenz beschränkt sich auf Ergebnisse, die während des ersten Krankenhausaufenthalts erhoben wurden. Zu den langfristigen Wirkungen liegen keine Daten vor.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere vorherige Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014. Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Kaempfen S, Cooper C, Schulzke SM, supported by Cochrane Neonatal

Wie sicher und wirksam ist Mifepriston zur Notfallverhütung?

1 week ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu Levonorgestrel, einer häufig verwendeten Pille zur Notfallverhütung, führt Mifepriston wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften. Mifepriston ist wahrscheinlich auch wirksamer zur Schwangerschaftsverhütung als die Yuzpe-Methode (eine Kombination aus Notfallverhütungspillen).

  • Die wichtigste unerwünschte Wirkung von Mifepriston ist eine Verzögerung der nächsten Monatsblutung. Sie tritt bei höheren Dosierungen häufiger auf.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, ob der Zeitraum zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und der Einnahme von Mifepriston (beispielsweise ein Tag im Vergleich zu fünf Tagen oder mehr) die Wirksamkeit beeinflusst. Außerdem sollte untersucht werden, wie Frauen die verschiedenen Methoden der Notfallverhütung bewerten und akzeptieren.

Was bedeutet Notfallverhütung?

Die Notfallverhütung wird eingesetzt, um eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, nach dem Versagen einer anderen Verhütungsmethode (z. B. einem gerissenen Kondom) oder nach sexueller Gewalt zu verhindern. Zu den gängigen Methoden der Notfallverhütung gehören Kupfer-Intrauterinpessare (IUP, auch als Kupferspirale bekannt) und Tabletten, die sogenannte „Pille danach“.

IUPs sind kleine, T-förmige Kunststoffkörper, die in die Gebärmutter eingesetzt werden. Sie verhindern eine Schwangerschaft, indem sie die Beweglichkeit der Spermien einschränken und dadurch die Befruchtung der Eizelle erschweren. Sie sind sehr wirksam bei der Verhütung einer Schwangerschaft. Allerdings kann es schwierig sein, rechtzeitig ein IUP einsetzen zu lassen, da dies durch eine medizinische Fachkraft erfolgen muss.

Pillen zur Notfallverhütung wirken, indem sie den Eisprung verhindern oder verzögern. Sie umfassen:

  • Mifepriston, das das für eine Schwangerschaft notwendige Hormon Progesteron blockiert;

  • Levonorgestrel, das den Eisprung vorübergehend verhindert oder verzögert;

  • die Yuzpe-Methode, bei der zwei hohe Dosen einer herkömmlichen Antibabypille im Abstand von etwa 12 Stunden eingenommen werden.

Einige Notfallverhütungspillen sind teuer und nicht überall erhältlich.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, wie wirksam Mifepriston im Vergleich zu anderen Methoden der Notfallverhütung Schwangerschaften verhindert. Außerdem haben wir diese Methoden verglichen, um festzustellen, ob sie sich hinsichtlich folgender Aspekte unterscheiden:

  • unerwünschte Wirkungen (wie Übelkeit und Erbrechen);

  • dem Zeitpunkt der nächsten Menstruation der Frauen.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Mifepriston mit anderen Notfallverhütungspillen oder IUPs verglichen wurde. Untersucht wurden Frauen im gebärfähigen Alter, die Notfallverhütung zur Verhinderung einer Schwangerschaft (nicht zum Abbruch einer bereits bestehenden Frühschwangerschaft) einsetzten.

Wir fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik der Studien und der Anzahl der beteiligten Frauen.

Was fanden wir heraus?

Wir haben 87 Studien mit rund 36.000 Frauen einbezogen. Die meisten wurden zwischen 1992 und 2015 in China durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste 16 Frauen, die größte 4.000. Fast die Hälfte (42 Studien) verglich zwei verschiedene Dosierungen von Mifepriston, während 41 Studien Mifepriston mit Levonorgestrel verglichen. Fünf Studien verglichen Mifepriston mit der Yuzpe-Methode oder mit Spiralen.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg) wahrscheinlich:

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 35 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei Mifepriston etwa 23 von 1.000 Frauen (27 Studien, 6.052 Frauen);

  • zu einer Verringerung des Risikos von unerwünschten Wirkungen (17 Studien, 4.350 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (17 Studien, 3.615 Frauen).

Im Vergleich zu Levonorgestrel führt eine niedrige Dosis Mifepriston (unter 25 mg):

  • zu weniger Schwangerschaften: Wenn 20 von 1.000 Frauen, denen Levonorgestrel verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 15 von 1.000 (14 Studien, 8.752 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einer Verringerung des Risikos unerwünschter Wirkungen (3 Studien, 609 Frauen);

  • wahrscheinlich zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (10 Studien, 7.618 Frauen).

Im Vergleich zur Yuzpe-Methode führt Mifepriston (jede Dosis):

  • wahrscheinlich zu weniger Schwangerschaften: Wenn 25 von 1.000 Frauen, denen die Yuzpe-Pillenkombination verabreicht wurde, schwanger wurden, wären es bei der Einnahme von Mifepriston etwa 3 von 1.000 Frauen (3 Studien, 2.144 Frauen);

  • wahrscheinlich zu deutlich weniger unerwünschten Wirkungen (2 Studien, 1.693 Frauen);

  • zu einem erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (3 Studien, 1.912 Frauen).

Im Vergleich zu Spiralen sind wir uns hinsichtlich der Wirkungen von Mifepriston auf die Anzahl der Schwangerschaften, unerwünschte Wirkungen und verspätete Regelblutungen unsicher (2 Studien).

Im Vergleich zu einer niedrigen Dosis Mifepriston (unter 25 mg) führt eine mittlere Dosis Mifepriston (25 mg bis 50 mg):

  • zu etwas weniger Schwangerschaften: Wenn bei 16 von 1.000 Frauen, die eine niedrige Mifepriston-Dosis erhalten, eine Schwangerschaft eintritt, wären es bei einer mittleren Mifepriston-Dosis etwa 13 von 1.000 (26 Studien, 12.358 Frauen);

  • möglicherweise zu kaum oder gar keinem Unterschied beim Risiko für unerwünschte Wirkungen (12 Studien, 2.908 Frauen);

  • zu einem leicht erhöhten Risiko einer verspäteten Menstruation (22 Studien, 11.733 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben in die meisten Ergebnisse moderates oder hohes Vertrauen. Allerdings beschrieben viele Studien ihre Methoden nicht ausreichend klar, sodass unser Vertrauen in einige Ergebnisse eingeschränkt ist. Die meisten Studien wurden in China durchgeführt, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Frauen in anderen Teilen der Welt übertragbar sind. Wir fanden keine Studien, in denen Mifepriston mit Ulipristalacetat, einer sehr wirksamen Pille zur Notfallverhütung, verglichen wurde.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2025.

Ramanadhan S, Edelman A, Che Y, Paynter RA, Hersh A, Henderson JT

Welche Vorteile hat die Gabe von Vitamin D bei frühgeborenen und untergewichtigen Säuglingen?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht (weniger als 2500 g) senkt wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/L) und einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L).

  • Höhere Vitamin-D-Dosen (800 IE/Tag oder mehr) verringern bei Frühgeborenen wahrscheinlich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels im Vergleich zu niedrigeren Dosen (200 bis weniger als 800 IE/Tag). Allerdings können höhere Dosen bei einigen Frühgeborenen auch zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln führen.

  • Zukünftige Studien sollten untersuchen, welche Vitamin-D-Dosis in Abhängigkeit vom Gewicht der Neugeborenen optimal ist, und dabei wichtige Ergebnisse wie die Knochengesundheit erfassen.

Warum ist Vitamin D wichtig für frühgeborene oder untergewichtige Säuglinge?

Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Kalzium ist für die Entwicklung und Stabilität der Knochen unerlässlich. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung können die Knochen weniger stabil werden und sich verformen oder leichter brechen. Dies wird bei Kindern als Rachitis bezeichnet. Sonnenlicht regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Es ist außerdem in Fisch, Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln enthalten. Säuglinge sollen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Da Sonnenlicht normalerweise zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beiträgt und Muttermilch nur wenig Vitamin D enthält, besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Als ausreichend gelten bei Säuglingen Vitamin-D-Spiegel im Blut von 50 bis 250 nmol/L. Werte unter 50 nmol/L gelten als unzureichende Versorgung („Insuffizienz“), Werte unter 30 nmol/L als Vitamin-D-Mangel („Defizienz“). Die Behandlung erfolgt mit Präparaten, die geschluckt oder injiziert werden können. Zu viel Vitamin D (über 250 nmol/L) kann unerwünschte Wirkungen haben, beispielsweise einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut oder Nierensteine verursachen. Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung unterscheiden sich weltweit.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, welche Vitamin-D-Dosis und welche Dauer der Supplementierung für Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht am besten geeignet sind. Uns interessierte, ob eine Vitamin-D-Supplementierung:

  • einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verringert;

  • die Knochengesundheit verbessert;

  • unerwünschte Wirkungen hervorruft.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien mit Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, oder mit Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2500 g. Die Studien verglichen eine Vitamin-D-Supplementierung entweder mit keiner Supplementierung oder höhere Dosen mit niedrigeren Dosen.

Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen. Anschließend bewerteten wir anhand verschiedener Faktoren, wie der Methodik und Größe der Studien, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.

Was haben wir herausgefunden?

Wir fanden 34 Studien mit 5012 Neugeborenen.

HauptergebnisseVitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (11 Studien, 1.514 Neugeborene)

Eine Vitamin-D-Supplementierung senkt wahrscheinlich bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 4 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Möglicherweise verringert die Supplementierung auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung. Davon profitiert möglicherweise 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (4 Studien, 385 Neugeborene). Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu keiner Supplementierung (1 Studie, 2.079 termingenaue Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht; Vitamin-D-Werte lagen für 453 Kinder vor)

Eine Vitamin-D-Supplementierung verringert wahrscheinlich im Alter von sechs Monaten das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Davon profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen (basierend auf den Daten von 453 Kinder). Wahrscheinlich verringert sie auch das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung; auch hier profitiert wahrscheinlich 1 von 3 supplementierten Neugeborenen. Über die Auswirkungen auf die Knochengesundheit und entsprechende Blutmarker sowie auf übermäßig hohe Kalzium- und Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde nicht berichtet.

Vitamin-D-Supplementierung in höherer Dosierung (800 IE/Tag oder mehr) im Vergleich zu niedrigerer Dosierung (200 bis 800 IE/Tag) (25 Studien, 1.546 Frühgeborene)

Höhere Vitamin-D-Dosen verringern wahrscheinlich stärker als niedrigere Dosen das Risiko eines Vitamin-D-Mangels (Nutzen wahrscheinlich bei 1 von 8 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 672 Neugeborene). Möglicherweise verringern sie auch stärker das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung (Nutzen möglicherweise bei 1 von 4 supplementierten Neugeborenen; 11 Studien, 683 Neugeborene). Allerdings führen höhere Dosen wahrscheinlich häufiger zu übermäßig hohen Vitamin-D-Spiegeln (Nachteil wahrscheinlich bei 1 von 25 supplementierten Neugeborenen; 5 Studien, 395 Neugeborene). Höhere Vitamin-D-Dosen verbessern bei Frühgeborenen möglicherweise einige Blutmarker der Knochengesundheit. Allerdings gibt es möglicherweise kaum oder keinen Unterschied bei röntgenologisch erkennbaren Zeichen einer verminderten Knochenmineralisierung (7 Studien, 447 Neugeborene).

Was schränkt die Evidenz ein?

Zur Knochengesundheit und zu unerwünschten Wirkungen, einschließlich erhöhter Kalziumwerte im Blut, liegen nicht genügend Informationen vor.

Unsere Einschätzung beruht darauf, dass die Evidenz auf wenigen Fällen basiert, die Eltern und Beurteilenden wussten, welche Behandlung die Neugeborenen erhielten, und einige Neugeborene nicht bis zum Ende der Studie nachbeobachtet wurden. Wir sind uns hinsichtlich anderer unerwünschter Wirkungen durch übermäßig hohe Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Kalziumspiegel im Blut nicht sicher, da nur wenige Ereignisse auftraten und die Zahl der Teilnehmenden gering war.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf den Stand von Februar 2026.

Pharande P, Middleton JL, Cooper C, Pammi M, Osborn DA, Abdel-Latif ME

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) bei der Behandlung von Endometriose?

1 week 1 day ago
Kernaussagen
  • Bei der Behandlung der Endometriose (einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst) zeigten Studien, in denen ein Progesteronrezeptor-Modulator (PRM; ein Medikament, das die Wirkung des Hormons Progesteron im Körper verändert) mit einem Placebo (einer Scheinbehandlung ohne Wirkstoff) verglichen wurde, dass der PRM Mifepriston schmerzhafte Regelblutungen lindern kann. Allerdings kann es zu Hitzewallungen kommen.

  • Ein PRM namens Gestrinon ist bei schmerzhaften Regelblutungen möglicherweise weniger wirksam als sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga (Medikamente, die die von den Eierstöcken produzierte Östrogenmenge senken), kann jedoch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Gestrinon verursacht zudem möglicherweise weniger Hitzewallungen. Wir wissen nicht, wie Gestrinon im Vergleich zu Danazol nicht menstruationsbedingte Schmerzen, schmerzhafte Regelblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beeinflusst. Wir wissen nicht, ob Gestrinon oder Danazol mehr unerwünschte Wirkungen verursacht.

  • Künftige Studien sollten Progesteronrezeptor-Modulatoren mit Medikamenten vergleichen, die derzeit zur Behandlung von Endometriosebeschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten Schmerzen mit anerkannten und zuverlässigen Methoden erfasst werden. Zudem sind größere und sorgfältig konzipierte Studien erforderlich, um den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen weiterer Progesteronrezeptor-Modulatoren neben Mifepriston und Gestrinon zu untersuchen.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose ist von Östrogen abhängig und tritt daher vor allem im gebärfähigen Alter auf. Sie kann Schmerzen im Bauchraum verursachen, die vor allem während der Periode (Menstruation) oder beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Zur Behandlung der Endometriose stehen verschiedene medikamentöse und chirurgische Verfahren zur Verfügung. Progesteronrezeptor-Modulatoren (PRMs) sind Arzneimittel, die die Wirkungsweise des Hormons Progesteron im Körper verändern. Zu den PRMs gehören Mifepriston, Gestrinon, Ulipristalacetat, Vilaprisan und Asoprisnil. Da sie das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe verlangsamen oder hemmen können, wurden sie als mögliche Behandlung der Endometriose vorgeschlagen.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob PRMs bei Patientinnen mit Endometriose Schmerzen besser lindern als ein Placebo (Scheinbehandlung), keine Behandlung oder andere Medikamente. Dabei betrachteten wir Schmerzen insgesamt, Schmerzen während der Menstruation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Außerdem wollten wir wissen, welche unerwünschten Wirkungen diese Medikamente haben. Dazu untersuchten wir beispielsweise, wie häufig Hitzewallungen und Übelkeit auftraten.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die untersuchten, wie wirksam PRMs bei Endometriosebeschwerden sind und welche unerwünschten Wirkungen sie haben. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen neun Studien mit 922 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren ein. In den meisten Studien wurden die PRMs Mifepriston oder Gestrinon getestet. Eine Studie untersuchte Asoprisnil, wurde jedoch nur als kurze Zusammenfassung ohne verwertbare Ergebnisse veröffentlicht. In zwei Studien wurden keine der für unsere Fragestellung relevanten Ergebnisse erfasst.

Hauptergebnisse

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu Placebo

Im Vergleich zu einem Placebo kann Mifepriston:

  • möglicherweise nach dreimonatiger Behandlung schmerzhafte Regelblutungen verringern (basierend auf einer Studie mit 342 Frauen);

  • möglicherweise mehr unerwünschte Wirkungen wie Hitzewallungen verursachen (1 Studie, 360 Frauen);

  • möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss darauf haben, ob Übelkeit auftritt (1 Studie, 360 Frauen); und

  • Wir sind unsicher, ob Mifepriston Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert (1 Studie, 223 Frauen).

Progesteronrezeptor-Modulatoren im Vergleich zu anderen medikamentösen Behandlungen

Im Vergleich zu Danazol ergab eine Studie mit 38 Frauen Folgendes:

  • Wir nicht wissen, ob Gestrinon die Schmerzsymptomatik nach sechsmonatiger Behandlung verbessert (1 Studie, 38 Frauen);

  • Wir wissen nicht, ob Gestrinon mehr oder weniger Hitzewallungen verursacht oder ob es keinen Unterschied gibt (2 Studien, 302 Frauen); und

  • Gestrinon und Danazol verursachen möglicherweise in ähnlichem Maße Übelkeit, die Ergebnisse sind jedoch sehr ungewiss (2 Studien, 302 Frauen).

Im Vergleich zu einem GnRH-Analogon (Leuprorelin) ergab eine Studie mit 55 Frauen Folgendes:

  • Gestrinon ist möglicherweise bei der Behandlung von schmerzhaften Regelblutungen nach sechsmonatiger Behandlung weniger wirksam (1 Studie, 55 Frauen); aber

  • Gestrinon lindert möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (1 Studie, 52 Frauen);

  • Gestrinon ist hinsichtlich der Schmerzen insgesamt möglicherweise mit Leuprorelin vergleichbar (1 Studie, 55 Frauen);

  • Gestrinon verursacht möglicherweise weniger Hitzewallungen und ein ähnliches Ausmaß an Übelkeit (1 Studie, 55 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering bis sehr gering, vor allem weil einige Studien eines oder mehrere der folgenden Probleme hatten:

  • Es nahmen nur wenige Personen an den Studien teil;

  • sie wurden in bestimmten Versorgungssituationen oder Bevölkerungsgruppen durchgeführt;

  • sie verwendeten Methoden, die wahrscheinlich zu Fehlern in ihren Ergebnissen führten;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, wie sie durchgeführt wurden;

  • sie berichteten nicht eindeutig darüber, ob die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhalten hatten, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dieser Review ist die Aktualisierung einer früheren Version. Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2026.

Grammatis AL, Gibbons T, Anucha EN, Becker CM

Gründe für den Beginn der Gabe von Koffein bei Frühgeborenen

1 week 5 days ago
Kernaussagen
  • Koffein ist ein wirksames Medikament, um das Sterberisiko zu senken und schwere Lungenschäden bei Frühgeborenen vorzubeugen. Allerdings ist weitere Forschung nötig, um den optimalen Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn eindeutig zu bestimmen.

  • Die Evidenz ist unsicher, wann die Gabe von Koffein bei Frühgeborenen begonnen werden sollte.

  • In künftigen Studien sollten verschiedene Zeiträume und Gründe für die Gabe von Koffein an Frühgeborene untersucht werden. Auf Grundlage der bisherigen Studien können wir noch keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen.

Was ist Koffein?

Koffein ist der am häufigsten verwendete Wirkstoff zur Behandlung von Atemaussetzern (Apnoen) bei Frühgeborenen und zur Reduzierung des Sterberisikos sowie anderer Folgen der Frühgeburt.

Warum ist Koffein für Frühgeborene auf der neonatologischen Intensivstation (NICU) wichtig?

Frühgeborene, die eine besonders intensive medizinische Betreuung benötigen, leiden häufig unter Atemproblemen. Diese können in der Folge zu Organschäden, einschließlich solcher am Gehirn, führen. Koffein erleichtert Frühgeborenen die Atmung und senkt sowohl das Sterberisiko als auch das Risiko schwerer Lungenschäden.

Was haben wir herausgefunden?

Wir wollten herausfinden, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen die Koffeingabe bei Frühgeborenen optimal begonnen werden sollte und welche Auswirkungen sie hat auf:

  • Tod des Babys (jegliche Ursache);

  • langfristige Lungenerkrankung;

  • etwaige negative Wirkungen der Koffeingabe, die zum Absetzen der Therapie führen;

  • wie lange ein Baby möglicherweise beatmet werden muss;

  • wie lange ein Baby möglicherweise im Krankenhaus bleiben muss;

  • die Anzahl der Babys mit mindestens einer Apnoe-Episode;

  • intermittierende Hypoxämie (kurzzeitiger Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut).

Wie gingen wir vor?

Wir haben 11 Studien überprüft, in denen Koffein zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus unterschiedlichen Gründen angewendet wurde:

  • innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt im Vergleich zu nach 2 bis 24 Stunden;

  • innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt im Vergleich zu nach mehr als 72 Stunden nach der Geburt;

  • innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt im Vergleich zur Behandlung von Säuglingen mit Symptomen;

  • bei minimalen Symptomen im Vergleich zur Koffeingabe bei schwerer Apnoe, bei der die Babys nur durch Berührung oder Atemunterstützung wieder atmen konnten;

  • während der Behandlung mit dem Beatmungsgerät im Vergleich zu Koffein, das zum Zeitpunkt der Extubation (Entfernung des Beatmungsschlauchs) verabreicht wird.

Wir haben die Ergebnisse der Studien analysiert, zusammengefasst und auf der Grundlage der Art und Weise, wie die Studien durchgeführt wurden, sowie ihrer Größe unser Vertrauen in die Evidenz eingestuft.

Was fanden wir heraus?

Wir schlossen 11 Studien mit 774 Säuglingen ein, die zwischen 2014 und 2023 veröffentlicht wurden. Wir haben sieben laufende Studien gefunden.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
  • Für folgende Vergleiche ist die Evidenz sehr unsicher: Koffein innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt im Vergleich zu Koffein zwischen zwei und 24 Stunden nach der Geburt sowie Koffein innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt im Vergleich zu Koffein mehr als 72 Stunden nach der Geburt. Wahrscheinlich verringert Koffein das Risiko für Apnoe und langfristige Lungenerkrankungen innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt.

  • Die Verabreichung von Koffein innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt verringert wahrscheinlich das Risiko einer langfristigen Lungenerkrankung im Vergleich zur Behandlung von Säuglingen, die erst bei Auftreten von Symptomen behandelt werden. Die anderen Ergebnisse dieses Vergleichs sind unsicher, da es nicht genügend Studien gibt, um sie sicher beurteilen zu können.

  • In keiner Studie wurde die Gabe von Koffein bei Säuglingen mit minimalen Symptomen mit der Gabe von Koffein bei schwerer Apnoe (die mit Stimulation oder Beatmung behandelt wurde) verglichen.

  • Die Verabreichung von Koffein während der mechanischen Beatmung verkürzt möglicherweise die Dauer der Beatmung von Säuglingen erheblich und verringert das Risiko einer langfristigen Lungenerkrankung im Vergleich zur Verabreichung von Koffein zum Zeitpunkt der Entfernung des Beatmungsschlauchs.

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Wir haben keine Studien gefunden, die den Einsatz von Koffein bei Säuglingen mit minimalen Symptomen mit dem Einsatz von Koffein bei schwerer Apnoe (mit Stimulation oder Beatmung) vergleichen. In keiner der untersuchten Studien wurde über intermittierende Hypoxämie (ein kurzzeitiges Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut) berichtet. Die Ergebnisse künftiger Studien könnten die Erkenntnisse dieses Reviews verändern.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 23. April 2025.

Borys F, Wróblewska-Seniuk K, Fiander M, Soll RF, Ringsten M, Bruschettini M, Sibrecht G, supported by Cochrane Neonatal and Cochrane Sweden

Verhindern multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen Stürze bei älteren Menschen, die zu Hause leben?

2 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Kombinierte Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person zugeschnitten sind (multifaktorielle Ansätze), verringern möglicherweise im Vergleich zur Standardversorgung die Anzahl der Stürze und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen, leicht. Im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung zur Sturzprävention ist der zusätzliche Nutzen jedoch sehr gering oder möglicherweise gar nicht vorhanden.

  • Kombinierte Maßnahmen, bei denen alle die gleiche Behandlung erhalten (mehrkomponentige Ansätze), bieten im Vergleich zu Bewegungstraining oder einer Beratung bzw. Aufklärung zur Sturzprävention möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen zusätzlichen Nutzen. Im Vergleich zur Standardversorgung verringern sie jedoch möglicherweise das Risiko zu stürzen.

  • Weitere Forschung ist nötig, um besser zu verstehen, warum Stürze auftreten, wann und wo sie besonders wahrscheinlich sind und wie sich die Wirkungen von Maßnahmen zur Sturzprävention am besten erfassen lassen.

Wie können wir Stürze bei älteren Menschen verhindern, und warum ist dies wichtig?

Stürze zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und Todesfälle bei älteren Menschen. Menschen können aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Zu diesen „Sturzrisikofaktoren“ zählen beispielsweise frühere Stürze, Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Gefahren in der Umgebung und ungeeignetes Schuhwerk. Zu den Maßnahmen zur Sturzprävention gehören körperliches Training, Aufklärung und Beratung sowie die Überprüfung der eingenommenen Medikamente.

Multifaktorielle Ansätze zur Sturzprävention kombinieren mehrere Maßnahmen, die auf die individuellen Risikofaktoren einer Person abgestimmt sind. Im Gegensatz dazu bestehen mehrkomponentige Ansätze zur Sturzprävention aus einer standardisierten Kombination verschiedener Maßnahmen. Diese Maßnahmen können mit der Standardversorgung, mit Bewegungstraining oder mit einer Aufklärung zur Sturzprävention, beispielsweise durch eine Broschüre, verglichen werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention bei älteren Menschen, die zu Hause leben:

  • die Anzahl der Stürze verringern;

  • das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, sowie das Risiko, zwei- oder mehrmals zu stürzen, verringern;

  • unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen multifaktorielle oder mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention mit Bewegungstraining, der Standardversorgung oder einer Aufklärung zur Sturzprävention verglichen wurden. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 110 Studien mit insgesamt 48.919 älteren Menschen. Davon:

  • befassten sich 65 Studien mit multifaktoriellen Maßnahmen;

  • 44 Studien befassten sich mit mehrkomponentigen Maßnahmen; und

  • 1 Studie untersuchte beide Arten von Maßnahmen.

Die Studien wurden weltweit durchgeführt, vor allem in Australien, Großbritannien und den USA. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag zwischen 62 und 85 Jahren. In den meisten Studien nahmen mehr Frauen als Männer teil, und die meisten Studien dauerten etwa 12 Monate.

HauptergebnisseMultifaktorielle Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung verringern möglicherweise die Anzahl der Stürze (29 Studien, 9.442 Personen) und das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (17 Studien, 4.826 Personen). Auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, haben sie jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen (38 Studien, 12.774 Personen).

  • im Vergleich zu Bewegungstraining ist unklar, ob sie die Anzahl der Stürze oder das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, beeinflussen, da die Evidenz sehr unsicher ist. Keine Studie untersuchte das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen.

  • Im Vergleich zu einer Beratung oder Aufklärung zur Sturzprävention bieten sie wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen und erhöhen die Anzahl der Stürze möglicherweise geringfügig (7 Studien, 9.901 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (7 Studien, 8.850 Personen), und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (3 Studien, 7.865 Personen).

Mehrkomponentige Maßnahmen zur Sturzprävention:
  • im Vergleich zur Standardversorgung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (14 Studien, 4.026 Personen), können aber das Risiko, mindestens einmal zu stürzen, verringern (19 Studien, 6.925 Personen). Die Evidenz hinsichtlich des Risikos, zwei- oder mehrmals zu stürzen, ist sehr ungewiss.

  • im Vergleich zu Bewegungstraining haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Stürze (8 Studien, 2.160 Personen) und auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (5 Studien, 874 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (10 Studien, 2.920 Personen).

  • im Vergleich zu Sturzberatung oder -aufklärung haben sie möglicherweise nur geringe oder gar keine Wirkungen auf die Anzahl der Stürze (7 Studien, 9.313 Personen) und das Risiko, mindestens einmal zu stürzen (8 Studien, 9.355 Personen). Sie haben wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf das Risiko, mindestens zweimal zu stürzen (6 Studien, 8.725 Personen).

Unerwünschte Wirkungen waren im Allgemeinen leicht ausgeprägt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben nur mäßiges bis sehr geringes Vertrauen in die Evidenz, da:

  • die Ergebnisse zwischen den Studien variierten;

  • in den meisten Studien wussten die Teilnehmenden wahrscheinlich, welche Behandlung sie erhielten;

  • nicht alle Studien alle für uns relevanten Aspekte erfasst haben; und

  • Die festgestellten Vorteile könnten überschätzt sein, da Studien mit geringeren oder negativen Ergebnissen möglicherweise seltener veröffentlicht werden.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist ein Update einer Version aus dem Jahr 2018. Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2024.

Swarnalatha C, Wood L, Newell P, Clark CE, Adedire O, Clemson L, Sherrington C, Lamb SE

Welchen Nutzen und welche Risiken haben Ausdauer-Trainingsprogramme für Menschen nach einem Schlaganfall?

2 weeks 4 days ago
Kernaussagen
  • Menschen nach einem Schlaganfall können sicher an Trainingsprogrammen teilnehmen, die Ausdauertraining zur Verbesserung der aeroben Fitness umfassen

  • Ausdauertraining verbessert möglicherweise die körperliche Fitness, verringert Beeinträchtigungen und verbessert Gehgeschwindigkeit und Gleichgewicht am Ende des Trainingsprogramms. Es ist jedoch unklar, ob diese Verbesserungen für die Betroffenen auch tatsächlich spürbar sind.

  • Insgesamt gibt es zur Wirkung von Ausdauertraining bislang nicht genügend Evidenz. Weitere Forschung ist erforderlich.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird und dadurch Hirngewebe geschädigt wird. Die Folgen eines Schlaganfalls können das Leben grundlegend verändern und variieren je nach Schweregrad der Schädigung und der betroffenen Hirnregion. Ein Schlaganfall kann nicht nur die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen. Diese Folgen können nach einem Schlaganfall lebenslang bestehen bleiben. Zu den körperlichen Folgen eines Schlaganfalls gehören eine verminderte aerobe Fitness und Muskelkraft. Beides kann körperliche Aktivität und die Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten erschweren. Eine geringe aerobe Fitness könnte zudem ein Risiko für einen erneuten Schlaganfall darstellen.

Was geschieht während der Rehabilitation nach einem Schlaganfall?

Nach einem Schlaganfall erhalten viele Betroffene eine Rehabilitation, beispielsweise durch Physiotherapeut*innen oder andere Gesundheitsfachkräfte. Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten zu überwinden. Die Rehabilitation umfasst oft verschiedene Arten von Übungen. Eine Trainingsform ist das aerobe oder kardiorespiratorische Training. Dabei bewegt man sich über längere Zeit kontinuierlich, sodass Herz und Kreislauf stärker beansprucht werden und die Herzfrequenz steigt. Dadurch kann sich die Ausdauer verbessern, die beispielsweise für längeres oder wiederholtes Gehen wichtig ist.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob aerobes Fitnesstraining zu jedem Zeitpunkt nach einem Schlaganfall von Nutzen ist, sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch nach der Entlassung. Insbesondere wollten wir wissen, ob aerobes Training nach einem Schlaganfall:

  • sicher ist;

  • die körperliche Fitness und die Bewegungsfähigkeit (einschließlich Gehen und Gleichgewicht) verbessert;

  • das Befinden der Betroffenen verändert (einschließlich Depressionen und Lebensqualität); und

  • das Risiko eines erneuten Schlaganfalls verringert.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen Ausdauertraining für Menschen nach einem Schlaganfall mit der üblichen Versorgung, keinem Trainingsprogramm oder einem Programm ohne körperliche Aktivität verglichen wurde. Wir schlossen nur Studien ein, in denen das Trainingsprogramm ausschließlich aus Ausdauertraining bestand. Studien, die zusätzlich andere Trainingsformen wie beispielsweise Krafttraining umfassten, schlossen wir aus.

Wir haben die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie den Studienmethoden und der Anzahl der teilnehmenden Personen bewertet.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 53 Studien mit insgesamt 2.672 Menschen mit Schlaganfall. Die meisten Teilnehmenden waren gehfähig. 37 der Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 61,9 Jahre. Die meisten Studien fanden entweder innerhalb von drei Monaten nach einem Schlaganfall (19 Studien) oder mindestens sechs Monate nach einem Schlaganfall (29 Studien) statt. In 28 Studien erhielten die Personen in den Gruppen mit Ausdauertraining mehr Aufmerksamkeit als diejenigen in den Kontrollgruppen.

In 49 Studien dauerten die Trainingseinheiten zwischen 20 und 60 Minuten; in 48 Studien betrug die Trainingshäufigkeit 3 bis 5 Tage pro Woche. In 37 Studien dauerte das Programm weniger als 12 Wochen. Die Trainingsintensität wurde anhand der maximalen Herzfrequenz, der Herzfrequenzreserve unter Berücksichtigung der Ruheherzfrequenz oder der von den Teilnehmenden subjektiv empfundenen Belastung bestimmt.

In 16 der 53 Studien wurden die Teilnehmenden auch nach dem Trainingsprogramm weiter nachbeobachtet. Die Dauer der Nachbeobachtung lag zwischen 12 Wochen und 12 Monaten nach Beginn des Programms. Eine Studie sah eine sechsmonatige Nachbeobachtung vor, berichtete jedoch nicht darüber.

Hauptergebnisse
  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle am Ende des Programms (36 Studien, 1.563 Teilnehmende) oder bei der Nachbeobachtung (10 Studien, 713 Teilnehmende).

  • Aerobes Training hat keinen Einfluss auf die Anzahl erneuter Schlaganfälle am Ende des Programms (8 Studien, 544 Teilnehmende) und wahrscheinlich auch keinen Einfluss darauf während der Nachbeobachtung (4 Studien, 412 Teilnehmende).

  • Die Evidenz zu den Auswirkungen des aeroben Trainings auf den Blutdruck ist sowohl am Ende des Programms (9 Studien, 535 Teilnehmende) als auch bei der Nachbeobachtung (3 Studien, 155 Teilnehmende) sehr unsicher.

  • Aerobes Training verbessert am Ende des Trainingsprogramms wahrscheinlich geringfügig die aerobe Fitness (13 Studien, 608 Teilnehmende) und die selbst gewählte Gehgeschwindigkeit (16 Studien, 647 Teilnehmende). Bei der Gehgeschwindigkeit ist die Verbesserung jedoch wahrscheinlich zu gering, um klinisch bedeutsam zu sein; bei der aeroben Fitness ist unklar, ob die Verbesserung klinisch bedeutsam ist. Die Evidenz zu den Auswirkungen auf die Funktionsbeeinträchtigung (17 Studien, 1.073 Teilnehmende) und das Gleichgewicht (18 Studien, 772 Teilnehmende) ist dagegen sehr unsicher. Die Ergebnisse bei der Nachbeobachtung sind insgesamt unklar. Die Verbesserung der aeroben Fitness hält möglicherweise an, es ist jedoch unklar, ob sie groß genug ist, um für Menschen nach einem Schlaganfall von Bedeutung zu sein (5 Studien, 237 Teilnehmende).

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Die meisten Studien schlossen Menschen ein, die gehen konnten. Über Menschen, die nach einem Schlaganfall stärker in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist dagegen nur wenig bekannt.

  • Die meisten Studien fanden in Ländern mit hohem Einkommen statt; über Menschen mit Schlaganfall in anderen Ländern ist wenig bekannt.

  • Insgesamt bestehen viele Unsicherheiten und es liegt nicht genügend Evidenz zu den Wirkungen des Ausdauertrainings vor. Weitere Forschung ist notwendig.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit ist eine von drei neuen Reviews, die gemeinsam eine frühere Übersichtsarbeit zum Fitnesstraining nach einem Schlaganfall aktualisieren. Die Evidenz basiert auf Recherchen, die bis April 2025 durchgeführt wurden.

Kramer S, Cheyne JD, Fawkner S, Hassett L, Johnson L, Mead GE, Rackoll T, Smith J, Wagner V, Saunders DH

Hilft eine bewegungsorientierte Herzrehabilitation Menschen mit koronarer Herzkrankheit langfristig?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining verringert eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit die Zahl der Herzinfarkte, führt wahrscheinlich zu weniger Krankenhauseinweisungen und senkt das Sterberisiko wahrscheinlich leicht.

  • Eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation verbessert wahrscheinlich einige Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten und scheint kosteneffizient zu sein.

  • Neuere Studien schließen nun mehr Frauen ein, untersuchen häufiger Programme für zu Hause und digitale Programme und wurden in mehr Ländern weltweit durchgeführt.

Was ist eine koronare Herzkrankheit (KHK)?

Eine koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung, bei der die Blutgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, verengt oder verschlossen sind – häufig durch Fettablagerungen. Dadurch wird der Herzmuskel schlechter durchblutet Sie ist weltweit die häufigste Todesursache. Dank besserer Behandlungsmöglichkeiten überleben heute mehr Menschen eine KHK und leben länger mit den Folgen der Erkrankung. Viele Menschen mit KHK leiden bei körperlicher Belastung unter Brustschmerzen (Angina pectoris) und Atemnot sowie häufig auch unter Müdigkeit. Zudem besteht das Risiko weiterer Komplikationen, zum Beispiel eines Herzinfarkts.

Was ist eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation?

Die bewegungsbasierte Herzrehabilitation soll Menschen mit KHK helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen, ihre Gesundheit zu verbessern und das Risiko künftiger Komplikationen zu verringern. Sie umfasst strukturierte Trainingsprogramme, die teilweise mit Informationen zur Erkrankung oder psychologischer Unterstützung kombiniert werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob Menschen mit KHK durch eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation im Vergleich zu keinem strukturierten Trainingsprogramm:

  • ein geringeres Sterberisiko haben;

  • weniger Herzinfarkte haben;

  • seltener weitere Eingriffe am Herzen benötigen, zum Beispiel einen Stent (ein kleines Röhrchen, das ein Blutgefäß offenhält) oder eine Bypass-Operation sowie

  • weniger häufig ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Außerdem interessierte uns, ob eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen verbesserte und kosteneffizient war.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation bei Erwachsenen mit koronarer Herzkrankheit mit keiner strukturierten Bewegung verglichen wurde. Die Studienteilnehmenden mussten einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) erlitten haben, sich einem Eingriff zur Wiederherstellung der Durchblutung des Herzens (zum Beispiel einer Koronarbypass-Operation) unterzogen haben oder an Angina pectoris beziehungsweise verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen leiden. Das Training konnte im Krankenhaus, in wohnortnahen Einrichtungen oder zu Hause stattfinden. Die Studien mussten die Teilnehmenden mindestens sechs Monate lang nachbeobachten.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 107 Studien mit 26.886 Teilnehmenden. Die meisten Teilnehmenden hatten einen Herzinfarkt erlitten oder sich einer Bypass-Operation beziehungsweise einem Eingriff zur Öffnung verengter oder verschlossener Herzkranzgefäße (Angioplastie) unterzogen. Die meisten Studien schlossen sowohl Männer als auch Frauen ein, doch Frauen machten insgesamt nur 17 % der Teilnehmenden aus.

In 52 Studien wurde ausschließlich ein Bewegungsprogramm untersucht. Die übrigen Studien untersuchten Bewegungstraining in Kombination mit weiteren Maßnahmen, zum Beispiel Informationen zur Erkrankung oder psychologischer beziehungsweise sozialer Unterstützung. Am häufigsten wurde Ausdauertraining eingesetzt, zum Beispiel Radfahren auf dem Fahrradergometer, Gehen oder Zirkeltraining. Die Häufigkeit und Intensität der körperlichen Aktivität variierte zwischen den Studien. In 27 Studien wurde Bewegung zu Hause untersucht, wobei einige Trainingsprogramme über eine Smartphone-App oder online durchgeführt wurden. Die meisten Studien begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu keinem strukturierten Bewegungstraining bewirkt eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation über sechs bis zwölf Monate Folgendes:

  • verringert wahrscheinlich die Gesamtsterblichkeit (30 Studien, 10.391 Personen) und senkt wahrscheinlich die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen (20 Studien, 7.277 Personen). Wenn 125 Menschen an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird wahrscheinlich ein Todesfall verhindert. Ebenso kann wahrscheinlich bei 200 Teilnehmenden ein Todesfall aufgrund herzbedingter Ursachen verhindert werden.

  • verringert deutlich die Rate der Herzinfarkte (25 Studien, 8.584 Personen). Pro 71 Teilnehmende an einer bewegungsorientierten Herzrehabilitation wird ein Herzinfarkt verhindert;

  • hat kaum bis gar keinen Einfluss auf die Notwendigkeit weiterer Herzinterventionen (einschließlich Stents oder Bypass-Operationen);

  • verringert wahrscheinlich die Zahl der Krankenhauseinweisungen insgesamt (21 Studien, 3.868 Personen). Von 17 Menschen, die an einer bewegungsbasierten Herzrehabilitation teilnehmen, wird voraussichtlich eine Krankenhauseinweisung verhindert. Möglicherweise werden auch herzbedingte Krankenhausaufnahmen reduziert (6 Studien, 1.550 Personen).

Die Evidenz deutete darauf hin, dass sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität durch das Training verbesserte.

Die Evidenz aus acht Studien deutet darauf hin, dass eine bewegungsbasierte Herzrehabilitation kosteneffizient ist.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben großes Vertrauen in die Evidenz zu Herzinfarkten und zur Notwendigkeit weiterer Herzbehandlungen. Unser Vertrauen in die übrige Evidenz ist jedoch begrenzt, da einige Studien methodische Schwächen bei der Durchführung oder Berichterstattung aufwiesen. Beispielsweise wissen wir nicht genau, wie konsequent die Teilnehmenden ihre Trainingsprogramme durchgeführt haben. Insgesamt sind Frauen in den Studien nach wie vor deutlich seltener vertreten als Männer. Viele der neuen Studien, die wir gefunden haben, wurden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt. Daher könnten unsere Ergebnisse für diese Länder relevanter sein als bisher.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Dies ist eine Aktualisierung der vorherigen Version, die 2021 veröffentlicht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2026.

Dibben G, de Vries FBG, Faulkner J, Oldridge N, Rees K, Stens NA, Thijssen D, Thompson DR, Zwisler AD, Taylor RS

Verbessert die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen nach dem Hirntod die Qualität der transplantierten Organe?

2 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Die Senkung der Körpertemperatur von Organspender*innen auf der Intensivstation vor der Organentnahme führt möglicherweise nicht dazu, dass das transplantierte Organ beim Empfänger bzw. der Empfängerin schneller seine Funktion aufnimmt.

  • Die Senkung der Körpertemperatur führt möglicherweise weder dazu, dass weniger Organe transplantiert werden können, noch zu bestimmten Sicherheitsproblemen bei den Spender*innen, etwa Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstillstand oder Blutdruckproblemen.

  • Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei der vier Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation.

Was ist eine Transplantation solider Organe?

Bei einer Organtransplantation wird ein Organ wie eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse von einem Spender bzw. einer Spenderin auf einen Empfänger bzw. eine Empfängerin übertragen. Für Menschen mit einem Organversagen im Endstadium ist eine Organtransplantation die beste Behandlungsmöglichkeit. Allerdings herrscht nach wie vor ein Mangel an für eine Spende geeigneten Organen. Viele Spenderorgane stammen von Menschen, bei denen im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung der Hirntod eingetreten ist (d. h., bei denen ein dauerhafter und irreversibler Verlust der Hirnfunktion vorliegt). Es ist bekannt, dass der Eintritt des Hirntods zu erheblichen Organschäden führt. Deshalb sollte die medizinische Betreuung dieser Spender*innen bestmöglich gestaltet werden, damit die Transplantation bei den Empfänger*innen möglichst erfolgreich ist und das transplantierte Organ möglichst gut funktioniert.

Warum wird die Körpertemperatur der Organspender*innen gesenkt, und wie erfolgt dies?

Die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen unter die normale Kerntemperatur (< 35,5 °C) kann die Körperfunktionen verlangsamen und dazu beitragen, die Organe bis zu ihrer Entnahme und Transplantation in einem gesünderen Zustand zu erhalten. Dies kann auf der Intensivstation zwischen dem Hirntod und der Organspende erfolgen. Die Senkung der Körpertemperatur kann erreicht werden, indem man den Spender spontan auf die Zieltemperatur abkühlen lässt oder Ventilatoren, Eispackungen oder spezielle externe Kühlsysteme einsetzt. Andere Möglichkeiten umfassen Verfahren wie eine Blasenspülung, invasive Kühlsysteme oder temperaturgeregelte befeuchtete Atemgase, die während der Beatmung verwendet werden, um die gewünschte Kerntemperatur zu erreichen. Je nach Körpertemperatur wird die therapeutische Hypothermie in vier Schweregrade eingeteilt: leicht (34,0 bis 35,5 °C), mäßig (32,0 bis 33,9 °C), mäßig tief (30,0 bis 31,9 °C) und tief (unter 30 °C).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten untersuchen, ob die Senkung der Körpertemperatur von Spender*innen zu gesünderen Organen und besseren Behandlungsergebnissen für Empfänger*innen nach einer Organtransplantation führt. Wir waren daran interessiert, herauszufinden:

  • wie schnell die gespendeten Organe ihre Funktion aufnahmen;

  • ob die Transplantation erfolgreich war;

  • ob der Empfänger bzw. die Empfängerin überlebte (und wie lange).

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen untersucht wurde, ob die Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen wirksam war und ob sie unerwünschte Wirkungen verursachte. In die Studien wurden nur Spender*innen eingeschlossen, bei denen entweder sämtliche Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen waren oder die Fähigkeit zu Bewusstsein und selbstständiger Atmung irreversibel verloren gegangen war. Die Empfänger*innen mussten eine Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse transplantiert bekommen. Die Studien konnten an jedem Ort der Welt durchgeführt worden sein.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden vier Studien mit 2.096 Spendern, in denen die Wirkungen einer Senkung der Körpertemperatur der Spender*innen vor der Transplantation untersucht wurden. Zwei Studien befassten sich mit Nierentransplantationen, zwei weitere mit der Transplantation mehrerer solider Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse). Die Studien wurden in den USA und in Frankreich durchgeführt.

Nierentransplantation

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, die benötigt wird, bis die transplantierten Nieren ihre Funktion aufnehmen (4 Studien, 3.015 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss auf das Überleben der transplantierten Niere ein Jahr nach der Transplantation (3 Studien, 2.075 Empfänger*innen);

  • hat möglicherweise keinen Einfluss darauf, wie viele Nierenempfänger*innen ein Jahr nach der Transplantation noch am Leben waren (1 Studie, 526 Empfänger*innen).

Andere Organe

Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur:

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lungen ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 99 Empfänger*innnen);

  • verringert möglicherweise nicht die Zeit, bis transplantierte Lebern ihre Funktion aufnehmen (1 Studie, 262 Empfänger*innen);

  • verringert wahrscheinlich nicht die Anzahl der für eine Transplantation verfügbaren Organe (4 Studien, 4.265 Empfänger*innen).

Eine Senkung der Körpertemperatur der Spender*innnen im Vergleich zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur führt möglicherweise zu keinen Problemen bei den Spender*innnen (wie Herzprobleme) (3 Studien, 2.015 Spender*innen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die geringe Anzahl der untersuchten Studien und der transplantierten Spenderorgane stellten die größten Einschränkungen dieser Übersichtsarbeit dar. Die Ein-Jahres-Überlebensrate des transplantierten Organs wurde nur in drei Studien angegeben. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität oder Herzerkrankungen der Empfänger*innnen nach zwölf Monaten. Auch wichtige Messgrößen zur Funktion der transplantierten Organe nach zwölf Monaten wurden nicht berichtet – etwa die Herzfunktion nach einer Herztransplantation oder der Insulinbedarf nach einer Bauchspeicheldrüsentransplantation. Die meisten Studien konzentrierten sich auf Nierenspender*innen und -empfänger*innnen, während für andere solide Organe nur sehr wenige Informationen vorlagen.

Wie aktuell ist die Evidenz?

Die Übersichtsarbeit ist auf den Stand von September 2025.

Amarnath DR, Tingle SJ, Hoather TJ, Thompson ER, Wilson CH, supported by Cochrane Kidney and Transplant

Welche Wirkungen haben Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Es ist unklar, ob Medikamente zur Vorbeugung von Knochenschwund (Bisphosphonate) das Risiko für Hüft-, Wirbelsäulen- oder andere Knochenbrüche bei Männern senken.

  • Diese Medikamente verursachen bei Männern wahrscheinlich nicht mehr unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende Gesundheitsprobleme als eine Scheinbehandlung (Placebo).

  • Für andere Medikamente (Analoga des Parathormons (PTH) und des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP), Denosumab und Romosozumab) zeigen sich ähnliche Ergebnisse. Bei PTH-/PTHrP-Analoga besteht jedoch große Unsicherheit hinsichtlich unerwünschter Wirkungen.

Was ist Osteoporose und in welchem Zusammenhang steht sie mit Knochenbrüchen bei Männern?

Knochenverlust (Osteoporose) liegt vor, wenn die Knochendichte abnimmt, sodass die Knochen weniger stabil sind und leichter brechen. Knochenbrüche treten besonders häufig an der Hüfte, der Wirbelsäule und anderen Knochen auf. Bei älteren Menschen entstehen solche Knochenbrüche häufig schon durch einen Sturz aus dem Stand oder aus geringer Höhe. Solche Frakturen können zu lang anhaltenden Schmerzen, zum Verlust der Selbstständigkeit, zu Behinderungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen. Osteoporose bei Männern beginnt in der Regel später im Leben und schreitet langsamer voran als bei Frauen. Auch andere Risikofaktoren für Knochenbrüche, etwa Gleichgewicht, Muskelkraft, Begleiterkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und die Art, wie jemand stürzt, können sich zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

Ärzt*innen setzen häufig knochenstärkende Medikamente ein, um Knochenbrüchen nach leichten Stürzen oder Verletzungen vorzubeugen. Zu den etablierten Medikamenten gehören Bisphosphonate (Zoledronsäure, Alendronat, Risedronat, Ibandronat), Analoga des Parathormons (PTH) oder des Parathormon-verwandten Proteins (PTHrP) sowie Denosumab oder Romosozumab. Die meisten Untersuchungen zu diesen Medikamenten wurden bei Frauen durchgeführt, insbesondere nach den Wechseljahren. Über die Wirkungen dieser Behandlungen bei Männern mit erhöhtem Frakturrisiko ist weitaus weniger bekannt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob diese Medikamente Frakturen der Hüfte, der Wirbelsäule oder anderer Knochen reduzieren und ob sie bei Männern mit Frakturrisiko unerwünschte Wirkungen verursachen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir suchten nach Studien, in denen Männer mit einem Frakturrisiko Medikamente wie Bisphosphonate, PTH/PTHrP-Analoga, Denosumab oder Romosozumab im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) oder anderen Behandlungen erhielten. Wir verglichen die Ergebnisse der Studien, fassten sie zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz. Dabei berücksichtigten wir unter anderem die Größe der Studien und wie sie durchgeführt wurden.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 17 Studien mit 4.132 Männern. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Personen lag zwischen 52 und 73 Jahren. Zwei Studien wurden in Deutschland durchgeführt, vier in den USA, eine in der Türkei, eine in Taiwan und neun Studien waren multinational.

Hauptergebnisse

Im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren:

  • 0,1 % weniger Personen erlitten eine Hüftfraktur , wenn sie Bisphosphonate einnahmen, doch die Evidenz ist sehr unsicher (4 Studien, 1.635 Personen):

    • 0,2 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine Hüftfraktur;

    • 0,3 % der Männer erlitten unter Placebo eine Hüftfraktur.

  • 0,4 % weniger Männer erlitten unter Bisphosphonaten symptomatische Wirbelfrakturen , doch die Evidenz ist sehr unsicher (5 Studien, 1.876 Personen):

    • 0,4 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten eine symptomatische Wirbelfraktur;

    • 0,8 % der Männer erlitten unter Placebo eine symptomatische Wirbelfraktur.

  • Bei der Einnahme von Bisphosphonaten traten bei 0,5 % weniger Männern andere Frakturen (keine Hüft- oder Wirbelfrakturen) auf, doch die Evidenz ist sehr unsicher (6 Studien, 2.043 Personen):

    • 1,6 % der Männer erlitten unter Bisphosphonaten andere Frakturen;

    • 2,1 % der Männer hatten unter Placebo andere Frakturen.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko für unerwünschte Wirkungen. 4,2 % mehr Männer hatten unter Bisphosphonaten unerwünschte Wirkungen als unter Placebo (7 Studien, 2.548 Personen).

  • Unerwünschte Wirkungen traten bei 74,6 % der Männer unter Bisphosphonaten und

  • bei 70,4 % der Männer unter Placebo auf.

1,2 % weniger Männer brachen die Studie aufgrund unerwünschter Wirkungen ab, wenn sie Bisphosphonate statt Placebo einnahmen. Die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher (7 Studien, 2.548 Personen).

  • 2,5 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Bisphosphonaten ab;

  • 3,7 % der Männer brachen die Studie aufgrund von unerwünschten Wirkungen unter Placebo ab.

Bisphosphonate erhöhen wahrscheinlich nicht das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen (6 Studien, 2.457 Personen). Bei 1,4 % weniger Männern traten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten auf als bei denjenigen, die ein Placebo einnahmen:

  • 27,2 % der Männer erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Bisphosphonaten;

  • 28,6 % der Männner erlitten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unter Placebo.

Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit wurden in keiner Studie untersucht.

Ähnliche Ergebnisse fanden wir für PTH- oder PTHrP-Analoga (4 Studien, 569 Männer), Denosumab (1 Studie, 240 Personen) und Romosozumab (1 Studie, 244 Männer) im Vergleich zu Placebo.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkungen von Bisphosphonaten zur Vorbeugung von Frakturen, da nur wenige Studien vorlagen. Zudem war die Nachbeobachtung in der Regel kurz (meist zwei Jahre oder weniger); und es gab in beiden Studiengruppen nur wenige Personen mit Frakturen.

Wir haben nur moderates Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf unerwünschte Wirkungen oder schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, da nicht klar war, ob in allen Studien jedes Ereignis vollständig berichtet wurde. Wir haben sehr geringes Vertrauen in die Wirkung von Bisphosphonaten auf Studienabbrüche aufgrund von unerwünschten Wirkungen, da in einigen Studien nicht klar war, ob die Personen aufgrund von unerwünschten Wirkungen oder aus anderen Gründen aus der Studie ausschieden.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Braten LC, Suter C, Johnston RV, Hartzell SA, Järvinen T, Buchbinder R

Helfen Probiotika bei der Behandlung von akutem infektiösem Durchfall?

3 weeks ago
Was ist das Ziel dieses Reviews?

Akute infektiöse Durchfallerkrankungen stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar und betreffen insbesondere Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir wollten wissen, ob die Einnahme von Probiotika dazu beiträgt, die Zeit bis zum Abklingen der Symptome zu verkürzen. Wir suchten nach Studien, die den Einsatz von Probiotika bei Menschen mit akuter Diarrhoe untersuchten. Wir suchten nach Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungen zugeteilt wurden. Solche Studien liefern die zuverlässigste Evidenz.

Kernaussagen

Probiotika haben möglicherweise keinen Einfluss auf die Dauer einer akuten Durchfallerkrankung. Wir wissen nicht, ob sie dazu beitragen, dass sich die Betroffenen schneller von der Durchfallerkrankung erholen. Wir benötigen weitere zuverlässige Studien, um beurteilen zu können, ob Probiotika bei akutem infektiösem Durchfall helfen.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Als Durchfall bezeichnet man häufigen Stuhlgang sowie ungewöhnlich weichen oder wässrigen Stuhl. Akuter Durchfall kann durch Infektionen des Darms mit Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht werden. Die Erreger werden häufig über Wasser oder Lebensmittel übertragen, die mit Fäkalien verunreinigt sind. Akuter Durchfall bessert sich in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei schwerem akutem Durchfall kann der Körper große Mengen an Wasser, Salzen und Nährstoffen verlieren. Dies kann zu einer starken Austrocknung führen und in schweren Fällen lebensbedrohlich sein. Die Behandlung von akutem Durchfall soll verhindern oder ausgleichen, dass der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. Außerdem soll sie die Genesung beschleunigen und die Zeit verkürzen, in der Betroffene die Infektion auf andere übertragen können.

Probiotika sind lebende Bakterien oder Hefen. Sie sollen das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen im Darm wiederherstellen, wenn dieses durch eine Erkrankung oder Behandlung gestört wurde. Probiotika werden häufig als „gute“ oder „nützliche“ Mikroorganismen bezeichnet. Sie können beispielsweise in bestimmten Joghurts enthalten sein oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Bei akutem infektiösem Durchfall könnten Probiotika auf verschiedene Weise wirken: Sie könnten die krankmachenden Mikroorganismen direkt hemmen, die Abwehrfunktion des Darms unterstützen oder Entzündungen und Schäden an der Darmschleimhaut verringern.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Reviews?

Wir fanden 82 Studien mit insgesamt 12.127 Teilnehmenden mit akutem Durchfall. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder. Nur 26 Studien wurden in Ländern durchgeführt, in denen die allgemeine Sterblichkeit bei Erwachsenen und Kindern hoch war.

In den 82 Studien wurden verschiedene Probiotika mit keiner zusätzlichen Behandlung oder mit einem Placebo verglichen. Wir wollten herausfinden:

• wie viele Personen nach 48 Stunden noch Durchfall hatten; und
• wie lange der Durchfall im Durchschnitt anhielt.

Die Studien unterschieden sich deutlich in ihrer Planung und Durchführung. Die Studien definierten „akuten Durchfall“ und das „Ende der Durchfallbeschwerden“ unterschiedlich und untersuchten zudem viele verschiedene Probiotika. Deshalb konnten nicht alle Studienergebnisse in die Analyse einbezogen werden.

Wir fanden keinen Unterschied zwischen Probiotika und Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung darin, wie viele Kinder nach 48 Stunden noch Durchfall hatten (2 Studien in Ländern mit hohem Einkommen; 1.770 Kinder). Wir sind uns nicht sicher, ob Probiotika die Dauer des Durchfalls verkürzen (6 Studien; 3.058 Personen). Diese Ergebnisse unterschieden sich nicht nach Alter, Ernährungs- oder sozioökonomischem Status, Region oder Rotavirus-Infektion der Teilnehmenden. Auch die Einnahme von Antibiotika oder Zinkpräparaten änderte die Ergebnisse nicht.

Probiotika hatten möglicherweise keinen Einfluss auf:

• die Anzahl der Personen, die länger als 14 Tage an Durchfall litten (neun Studien; 2.928 Personen); oder
• die Anzahl der Personen, die wegen Durchfall ins Krankenhaus eingewiesen wurden (sechs Studien; 2.283 Personen).

Es ist unklar, ob Probiotika die Dauer des Krankenhausaufenthalts im Vergleich zu Placebo oder keiner zusätzlichen Behandlung verkürzen (24 Studien; 4.056 Personen). Nur wenige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen von Probiotika; bei den Personen, die Probiotika einnahmen, wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Frühere Versionen dieses Reviews stützten ihre Schlussfolgerungen auf viele kleine Studien und deuteten darauf hin, dass Probiotika wirksam sein könnten.

Diese neue Analyse zeigt, dass bei diesem Thema eine Verzerrung durch Veröffentlichungsbias vorliegt, da kleine Studien, die positive Wirkungen nachweisen, eher veröffentlicht werden, was die Ergebnisse verzerrt. In der aktuellen Version fanden die Autor*innen Hinweise darauf, dass kleine Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht wurden. Zudem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf und ihre Ergebnisse unterschieden sich stark. Deshalb stützten die Auto*rinnen ihre wichtigsten Schlussfolgerungen vor allem auf größere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir haben Studien berücksichtigt, die bis zum 17. Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Collinson S, Deans A, Padua-Zamora A, Gregorio GV, Li C, Dans LF, Allen SJ

Ist die Blutentnahme mit einer Nadel aus einer Vene (Venenpunktion) bei termingeborenen Neugeborenen besser als der Einstich in die Ferse (Fersenpunktion)?

3 weeks ago
Kernaussagen
  • Eine Venenpunktion (das Einführen einer Nadel in eine Vene) ist für Neugeborene bei der Blutentnahme möglicherweise weniger schmerzhaft als eine Fersenpunktion (das Durchstechen der Haut an der Ferse mit einer speziellen Stechhilfe), unabhängig davon, ob zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird oder nicht. Zudem kann sie, wenn keine süß schmeckende Lösung zur Schmerzlinderung eingesetzt wird, die Notwendigkeit mehrerer Hautpunktionen verringern.

  • Wir wissen nicht, ob bei einer Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion weniger Hautpunktionen erforderlich sind, wenn zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung eingesetzt wird.

  • Es werden größere, methodisch besser geplante Studien mit vollständiger Ergebnisberichterstattung benötigt, um zu zeigen, welche Methode für Neugeborene besser ist.

Warum entnehmen wir Neugeborenen Blutproben?

In den meisten Ländern wird eine Blutprobe von Neugeborenen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen entnommen. Blutproben können auch für andere Blutuntersuchungen erforderlich sein, um Erkrankungen wie Gelbsucht oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu diagnostizieren und zu überwachen. Die Blutentnahme bei Neugeborenen ist jedoch schmerzhaft. Unbehandelte Schmerzen bei Neugeborenen können ihr körperliches Wachstum und ihre Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Zur Schmerzlinderung kann Neugeborenen vor dem Eingriff eine süß schmeckende Lösung (z. B. eine Saccharoselösung) verabreicht werden. Schmerzen bei Neugeborenen lassen sich nur schwer messen. Zur Beurteilung werden daher Anzeichen wie der Gesichtsausdruck, Weinen und Veränderungen der Herzfrequenz herangezogen.

Wie werden Blutproben entnommen?Venenpunktion

Die Venenpunktion ist eine Methode zur Blutentnahme, bei der eine Nadel direkt in eine Vene gestochen wird. Wer eine Venenpunktion durchführt, muss dafür gut geschult sein, damit die Blutentnahme erfolgreich verläuft. Diese Technik wird häufig angewendet, wenn 1 ml oder mehr Blut benötigt wird, sowie um wiederholte Einstiche in die Haut und damit verbundene Komplikationen (wie z. B. Hautinfektionen) durch die Fersenpunktion zu vermeiden.

Fersenpunktion

Die Fersenpunktion ist weltweit die Standardmethode zur Blutentnahme bei Neugeborenen in Krankenhäusern. Sie wird üblicherweise angewendet, wenn weniger als 1 ml Blut benötigt wird. Die erfolgreiche Anwendung erfordert keine spezielle Schulung oder Erfahrung. Bei dem Verfahren wird mit einer Lanzette – in der Regel einer automatischen Stechhilfe – ein kleiner Einstich (1 bis 2 mm tief) an der Ferse vorgenommen. Nach der Punktion wird die Ferse des Neugeborenen zusammengedrückt, um die benötigte Blutprobe zu entnehmen, was weitere Schmerzen verursachen kann.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden:

  • ob eine Venenpunktion bei Neugeborenen weniger schmerzhaft ist als eine Fersenpunktion; und

  • welches Verfahren beim ersten Versuch am besten funktioniert, sodass keine zweite Hautpunktion erforderlich ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die Venenpunktion und die Fersenpunktion zur Blutentnahme bei Neugeborenen verglichen wurden. Die Studien mussten die Schmerzreaktionen sowie die Anzahl der Hautpunktionen erfassen, die für eine erfolgreiche Probenentnahme erforderliche waren. Außerdem mussten sie dokumentiert haben, ob den Neugeborenen zur Schmerzlinderung eine süß schmeckende Lösung verabreicht wurde. Die Säuglinge in den Studien mussten gesund und termingerecht geboren sein. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz anhand von Faktoren wie der Methodik und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir haben acht Studien mit insgesamt 826 termingeborenen Neugeborenen einbezogen. Drei Studien fanden in Schweden statt, je eine in Japan, Malaysia, Nepal, Spanien und Großbritannien.

Wenn keine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion wahrscheinlich weniger Schmerzen als die Fersenpunktion (6 Studien, 488 Neugeborene); und

  • verringert die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion wahrscheinlich die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion (6 Studien, 397 Neugeborene).

Wenn eine süß schmeckende Lösung verabreicht wird:

  • verursacht die Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion möglicherweise weniger Schmerzen (3 Studien, 170 Neugeborene); und

  • sind wir unsicher, welche Auswirkungen eine Venenpunktion im Vergleich zur Fersenpunktion auf die Notwendigkeit von mehr als einer Hautpunktion hat (2 Studien, 110 Neugeborene).

Was schränkt die Aussagekraft der Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz war begrenzt und reichte von moderat bis sehr gering. Das liegt daran, dass alle Studien Einschränkungen hinsichtlich ihrer Durchführung aufwiesen. Dazu gehörten Probleme bei der Zuordnung der Neugeborenen zu den jeweiligen Gruppen, bei der Berichterstattung über die Studienergebnisse sowie bei der Anzahl der in die Studien eingeschlossenen Neugeborenen. Zudem wussten die Personen, die die Eingriffe durchführten, welche Entnahmemethode bei jedem Neugeborenen angewendet wurde, was die Bewertung der Schmerzen in den Studien beeinflusst haben könnte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Übersichtsarbeit aktualisiert unsere Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011. Die Evidenz ist auf den Stand von Juli 2025.

Martins G, Fiander M, Taddio A, Shah VS

Trägt die Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie (Ersatztherapie mit Protein aus dem Blut gesunder Spendender) dazu bei, Beschwerden der Atemwege bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu lindern?

3 weeks 3 days ago
Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt die Zufuhr von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über eine Infusion in eine Vene (intravenöse Substitutionstherapie) möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Lungenerkrankung) pro Jahr. Auf die Zahl der Todesfälle hat die Behandlung jedoch möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen. Wir sind sehr unsicher, ob die intravenöse Substitutionstherapie einen Einfluss auf die Anzahl der Menschen hat, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten. Die Verabreichung von zusätzlichem Alpha-1-Antitrypsin über ein Inhalationsgerät (Vernebler) (inhalative Substitutionstherapie) hat möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Anzahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten Zudem sind wir sehr unsicher, ob diese Behandlung einen Einfluss auf Exazerbationen hat.

  • Unsere Übersichtsarbeit umfasste nur wenige Studien, und unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig.

Was ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATD)?

Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist ein Protein, das unsere Organe vor Schäden durch körpereigene Enzyme schützt. Ein AAT-Mangel (AATD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend AAT produziert. Dies kann zu Lungenschäden und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; einer Langzeiterkrankung, die das Atmen erschwert) führen. Zu den Symptomen von AATD gehören Atemnot, Husten und Keuchen. Raucher mit AATD haben ein höheres Risiko, eine schwere Lungenerkrankung zu entwickeln. AATD kann auch zu Leberproblemen führen. Manche Menschen mit AATD können ihr ganzes Leben lang gesund bleiben.

Was ist eine Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie?

Die AAT-Substitutionstherapie soll den AAT-Spiegel im Blutkreislauf und in der Lunge erhöhen. Das erfolgt mithilfe von AAT-Protein aus dem Blut, das aus dem Blut gesunder Spendender gewonnen wird. Die AAT-Substitutionstherapie kann möglicherweise dazu beitragen, das Lungengewebe vor Schäden zu schützen und das Fortschreiten der Lungenerkrankung zu verlangsamen. Sie kann über eine Infusion in eine Vene (intravenös), durch Injektion unter die Haut (subkutan) oder über eine Atemmaske verabreicht werden.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob eine Anhebung der AAT-Spiegel bei Menschen mit AATD die Anzahl der Exazerbationen (Verschlimmerungen der Erkrankung), die Zahl der Todesfälle sowie die Zahl der Menschen, bei denen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden auftreten, verringern könnte. Unsere Übersichtsarbeit konzentrierte sich auf die Endpunkte, die für Menschen mit dieser Erkrankung am wichtigsten sind.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen eine AAT-Substitutionstherapie, die auf beliebige Weise verabreicht wurde (intravenös, subkutan oder inhalativ), mit einer anderen Art der Verabreichung, einem Placebo (Scheinbehandlung) oder keiner Behandlung verglichen wurde. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Größe der Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden sechs Studien mit 524 Teilnehmenden. Vier Studien befassten sich mit der intravenösen AAT-Substitutionstherapie, die anderen beiden mit der inhalativen AAT-Substitutionstherapie. In allen sechs Studien wurde die AAT-Substitutionstherapie mit einem Placebo verglichen. Die Studien wurden in einkommensstarken Ländern in Europa, Nordamerika und Australien durchgeführt. Die kleinste Studie umfasste fünf Teilnehmende, die größte 180 Teilnehmende.

Hauptergebnisse

Intravenöse AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie führt möglicherweise zu einem leichten Anstieg der Anzahl der jährlichen Exazerbationen. Die Evidenz zeigt eine Rate von 1710 jährlichen Exazerbationen pro 1.000 Personen, die eine intravenöse AAT-Ergänzungstherapie erhalten, im Vergleich zu 1420 jährlichen Exazerbationen pro 1.000 Personen, die ein Placebo erhalten (290 Exazerbationen mehr in der AAT-Gruppe).

  • Die intravenöse AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle.

  • Wir sind sehr unsicher, ob bei Personen, die eine intravenöse AAT-Substitutionstherapie erhalten, die Wahrscheinlichkeit, ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erleiden, höher ist als bei denjenigen, die ein Placebo erhalten.

Inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo

  • Wir sind sehr unsicher, ob die inhalative AAT-Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo einen Einfluss auf die Anzahl der jährlichen Exazerbationen hat.

  • In keiner Studie wurden Todesfälle berichtet.

  • Die inhalative AAT-Substitutionstherapie hat im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Personen, bei denen ein oder mehrere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auftreten.

Was schränkt die Evidenz ein?

Unser Vertrauen in die Evidenz ist gering, da nur wenige Studien verfügbar waren, die von uns gefundenen Studien nur wenige Teilnehmende umfassten und die Ergebnisse nur einen Teil der Personen abdeckten, die für uns von Interesse waren.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Wir haben Evidenz berücksichtigt, die bis August 2025 veröffentlicht wurde.

Glaister P, Hindle Robinson N, Woods A, Bentham C, Hamzah J, Crossingham I

Welche Vorteile und Risiken hat die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) im Vergleich zu anderen Prostataoperationen?

3 weeks 6 days ago
Kernaussagen
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Standard-Prostataoperation (transurethral resection of the prostate, TURP) lindern Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut und verbessern die Lebensqualität in vergleichbarem Maße. Auch schwerwiegende Komplikationen treten im ersten Jahr nach der Operation möglicherweise ähnlich häufig auf.

  • HoLEP verringert im Vergleich zur TURP und im Vergleich zur Prostatektomie (operative Entfernung von Prostatagewebe) wahrscheinlich den Bedarf an Bluttransfusionen. Möglicherweise ist der Bedarf auch im Vergleich zur Laserablation (Zerstörung von Prostatagewebe mit einem Laser) geringer. Pro 1.000 behandelte Männer würden etwa 36 weniger eine Bluttransfusion benötigen (HoLEP vs. TURP).

  • Es liegt noch nicht genügend Evidenz vor, um zu beurteilen, ob HoLEP bei sehr stark vergrößerter Prostata oder bei Personen, die bestimmte blutverdünnende Medikamente einnehmen, die bessere Behandlungsmöglichkeit ist.

Was ist eine benigne Prostatahyperplasie?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die nur bei Männern vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, bei der sich die Prostata mit zunehmendem Alter häufig vergrößert. Dadurch kann der Harnfluss behindert werden. Das lässt sich mit einem verengten Schlauch vergleichen: Der Urin kann schlechter abfließen, sodass das Wasserlassen zunehmend schwieriger wird.

Wie wird eine gutartige Prostatahyperplasie behandelt?

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Änderungen des Lebensstils, Medikamente und operative Eingriffe. Lange Zeit war die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) die am häufigsten durchgeführte Operation. Bei der TURP wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem kleinen Instrument entfernt, das durch die Harnröhre eingeführt wird. Heute werden dafür auch Laserverfahren eingesetzt. Eine dieser Laserbehandlungen ist die sogenannte Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP).

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, wie HoLEP im Vergleich zu anderen Operationen die Beschwerden und die Lebensqualität beeinflusst und wie sicher das Verfahren ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen HoLEP mit anderen Prostataoperationen verglichen wurde. Wir untersuchten, wie wirksam und sicher die verschiedenen Operationsverfahren waren und wie schnell sich die Männer davon erholten. Anschließend fassten wir alle Ergebnisse zusammen und bewerteten die Zuverlässigkeit der einzelnen Studien.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 52 Studien mit 6.242 Männern, die sich einer Prostataoperation unterzogen hatten. Diese Zusammenfassung konzentriert sich auf Studien, in denen HoLEP innerhalb des ersten Jahres nach der Operation mit der TURP verglichen wurde. Die TURP galt lange als Standardoperation bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Vergleich ist besonders relevant für Männer, die zwischen verschiedenen Operationsverfahren wählen. Das Durchschnittsalter der Männer lag zwischen 65 und 74 Jahren und die durchschnittliche Prostatagröße in den Studien reichte von 30 cm³ bis 142 cm³. Die Studien wurden in 11 Ländern durchgeführt.

  • Symptome und Lebensqualität : HoLEP lindert Harnwegsbeschwerden möglicherweise ähnlich gut wie die TURP (14 Studien, 1666 Personen) und verbessert möglicherweise auch die Lebensqualität in ähnlichem Maße (6 Studien, 876 Personen). Die festgestellten Unterschiede waren so gering, dass sie für die Männer keine spürbare Bedeutung hatten.

  • Schwerwiegende Komplikationen: Schwerwiegende Komplikationen treten bei HoLEP möglicherweise ähnlich häufig auf wie bei der TURP (10 Studien, 1147 Personen).

  • Erneute Operationen und erektile Funktion: Die Häufigkeit erneuter Operationen und die erektile Funktion sind nach HoLEP und TURP wahrscheinlich ähnlich.

  • Ejakulation: Keine der Studien berichtete darüber, wie sich HoLEP und TURP auf die Ejakulation auswirkten, obwohl dies für viele Männer von großer Bedeutung ist.

  • Bluttransfusion: HoLEP senkt im Vergleich zur TURP wahrscheinlich das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Im Vergleich zu den meisten anderen Operationsverfahren macht HoLEP möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Etwa 44 von 1.000 Männern benötigen nach einer TURP eine Transfusion, verglichen mit etwa 8 von 1.000 nach einer HoLEP (15 Studien, 1.755 Personen).

  • Wir verglichen HoLEP außerdem mit anderen Laserverfahren, anderen Enukleationstechniken und offenen Operationen. Dabei betrachteten wir auch Ergebnisse, die mehr als ein Jahr nach dem Eingriff erhoben wurden. Diese Ergebnisse sind im Volltext des Reviews dargestellt.

Was schränkt die Evidenz ein?
  • Studienqualität: Die meisten Studien wiesen methodische Mängel auf. So ist es beispielsweise unmöglich, die Operierenden zu verblinden, und auch die Teilnehmenden können nur schwer darüber im Unklaren gelassen werden, welche Operation sie erhalten haben. Dies kann beeinflussen, wie die Ergebnisse gemessen und berichtet werden. Nur wenige Studien verfügten über vorab registrierte Protokolle, sodass einige Ergebnisse möglicherweise selektiv berichtet wurden. Aus diesen Gründen haben wir in viele der Ergebnisse nur geringes oder sehr geringes Vertrauen.

  • Kurze Nachbeobachtung: Die meisten Studien führten eine Nachbeobachtung nur bis zu 12 Monaten durch. Wir wissen nicht, ob die Vorteile von HoLEP langfristig bestehen bleiben oder ob sich die Häufigkeit erneuter Operationen auf längere Sicht wesentlich unterscheidet.

  • Keine der Studien berichtete darüber, wie sich die verschiedenen Operationsverfahren auf die Ejakulation auswirkten. Da etwa drei von vier Männern nach einer HoLEP eine retrograde Ejakulation („trockener Orgasmus“) erleben, ist dies eine wichtige Wissenslücke. Auch Daten zur Harninkontinenz nach der Operation wurden nicht einheitlich erfasst.

  • Erfahrung der Operierenden: Die meisten Operierenden in den einbezogenen Studien verfügten über umfangreiche Erfahrung mit der HoLEP. Die tatsächlichen Ergebnisse können anders ausfallen, wenn die Operierenden noch wenig Erfahrung mit HoLEP haben. Die Komplikationsrate nimmt mit zunehmender Erfahrung weiter ab und stabilisiert sich offenbar erst nach etwa 350 Eingriffen.

  • Begrenzte Evidenz für bestimmte Patientengruppen: Wir konnten nicht untersuchen, ob HoLEP bei Männern mit sehr stark vergrößerter Prostata (≥ 80 ml) oder bei Männern, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, anders wirkt, da zu wenige Studien diese Patientengruppen einschlossen. Gerade bei diesen Patientengruppen könnte HoLEP möglicherweise besonders vorteilhaft sein. Daher ist diese Evidenzlücke besonders relevant.

  • Wenige Studien für einige Vergleiche: Die meisten Studien verglichen HoLEP mit TURP. Für Vergleiche mit Laserablation, anderen Enukleationstechniken oder offenen Operationen ist die Evidenz daher weniger sicher.

Wie aktuell ist dieser Review?

Dieser Review ist auf dem Stand vom 08. April 2026.

Sathianathen N, Hwang EC, Brown SJane, Bakker C, Borofsky MS, Ergun O, Dahm P

Die Fragestellung des Reviews

4 weeks ago
Welche langfristigen Vorteile und Risiken haben verschiedene Arten von Operationen zur Gewichtsreduktion bei der Behandlung von Adipositas bei erwachsenen Menschen mit Typ-2-Diabetes?Kernaussagen
  • Bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes könnte ein Magenbypass (d. h. ein Roux-en-Y-Magenbypass oder ein Magenbypass mit einer Anastomose) den größten Nutzen haben, um das Körpergewicht und den Taillenumfang zu verringern sowie den Typ-2-Diabetes und die langfristigen Blutzuckerwerte zu verbessern – mindestens fünf Jahre nach der Operation. Beim Magenbypass mit einer Anastomose sind wir hinsichtlich der Ergebnisse allerdings sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf Risiken wie schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen und den Tod jeglicher Ursache mindestens fünf Jahre nach der Operation haben.

  • Größere und gut konzipierte Studien könnten dazu beitragen, die bestehenden Unsicherheiten zu verringern und unser Vertrauen in die Ergebnisse zu stärken.

Was sind Adipositas und Typ-2-Diabetes?
Adipositas bezeichnet eine übermäßige Ansammlung von Körperfett, die die Gesundheit beeinträchtigen kann. Bei Typ-2-Diabetes kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend regulieren, da das Hormon Insulin nicht richtig wirkt. Typ-2-Diabetes tritt häufig bei Menschen mit Adipositas auf. Beide Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen vorzeitigen Tod und andere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie werden Adipositas und Typ-2-Diabetes behandelt?

Zur Gewichtsabnahme und Verbesserung des Diabetes werden zunächst häufig Änderungen des Lebensstils wie eine Ernährungsumstellung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie Medikamente eingesetzt. Wenn diese nicht ausreichend wirken, können metabolische und bariatrische Operationen als zusätzliche Behandlungsoption in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Arten der bariatrischen Chirurgie:

  • Magenband (ein verstellbares Band, das um den oberen Teil des Magens gelegt wird und diesen verengt, sodass kleinere Portionen ausreichen);

  • Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie; Entfernung eines Teils des Magens);

  • Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB; aus dem oberen Teil des Magens wird ein kleiner Vormagen gebildet und direkt mit einem tiefer gelegenen Abschnitt des Dünndarms verbunden, sodass ein Teil des Magens und des Dünndarms umgangen wird);

  • Magenbypass mit nur einer Verbindung (Ein-Anastomosen-Magenbypass oder Mini-Magenbypass);

  • Magenplikatur (Einfaltung der Magenwand, um den Magen zu verkleinern);

  • biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (der Magen wird verkleinert und ein großer Teil des Dünndarms umgangen, sodass der Körper weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnimmt).

Was wollten wir herausfinden?
  • Welche der verschiedenen Operationsmethoden am sichersten und wirksamsten sind, wenn man sie miteinander sowie mit einer Behandlung durch Lebensstiländerung und Medikamente hinsichtlich ihrer langfristigen (mindestens 5 Jahre Nachbeobachtung) Vorteile und Risiken vergleicht.

  • Ob diese Operationen das Körpergewicht und den Taillenumfang verringern, den Typ-2-Diabetes verbessern, die langfristigen Blutzuckerwerte senken und die Lebensqualität mindestens fünf Jahre nach der Operation verbessern.

  • Ob sich die Operationen über diesen Zeitraum hinweg auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Todesfälle jeglicher Ursache und Komplikationen des Typ-2-Diabetes auswirken.

Wie gingen wir vor?
Wir suchten nach Studien mit Personen, die Adipositas und Typ-2-Diabetes hatten. Wir schlossen Studien ein, in denen mindestens zwei verschiedene chirurgische Eingriffe oder eine Operation mit einer Lebensstil- und medikamentösen Behandlung verglichen wurden. Wir fassten alle Behandlungen mithilfe einer Methode namens Netzwerk-Metaanalyse zusammen und verglichen sie; dabei bewerteten wir unser Vertrauen in die Ergebnisse anhand von Faktoren wie Studienmethoden und Stichprobengröße.

Was fanden wir heraus?
Wir fanden 18 Studien mit insgesamt 15.282 Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. In 13 dieser Studien (mit insgesamt 911 Teilnehmenden) wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeordnet. Dies ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Gruppen der Teilnehmenden ähnlich sind. Fünf Studien (mit 14.371 Personen) verwendeten Beobachtungsdaten aus der Versorgungsrealität. Die Studien untersuchten verschiedene Operationsverfahren wie Magenband, Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass, Magenbypass mit einer Anastomose und Magenplikatur. Wir stellten fest, dass:

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass senkt langfristig möglicherweise das Körpergewicht und verringert wahrscheinlich den Taillenumfang – im Vergleich zu einer Behandlung mit Lebensstiländerungen und Medikamenten.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und, in geringerem Ausmaß, der Schlauchmagen könnten das Körpergewicht ebenfalls senken und den Taillenumfang verringern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass, der Magenbypass mit einer Anastomose, der Schlauchmagen und das Magenband verbessern den Typ-2-Diabetes möglicherweise. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Es ist unklar, ob die verschiedenen Operationsverfahren einen Einfluss auf schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen oder den Tod jeglicher Ursache haben.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verringert langfristig möglicherweise die Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen. Wir sind hinsichtlich dieses Ergebnisses jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass verbessert möglicherweise die Blutzuckerwerte – im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen.

  • Der Magenbypass mit einer Anastomose und der Schlauchmagen könnten die Blutzuckerwerte ebenfalls verbessern. Wir sind hinsichtlich dieser Ergebnisse jedoch sehr unsicher.

  • Der Roux-en-Y-Magenbypass und der Schlauchmagen könnten die gesundheitsbezogene Lebensqualität stärker steigern als nicht-chirurgische Behandlungen. Auch hier sind wir hinsichtlich der Ergebnisse sehr unsicher.

Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz ist oft gering bis sehr gering, da in die Studien nur wenige Personen eingeschlossen wurden und die Ergebnisse für einige Endpunkte – insbesondere schwerwiegende unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, Tod jeglicher Ursache und Komplikationen bei Typ-2-Diabetes – auf sehr wenigen Ereignissen beruhten. Zudem gab es für mehrere chirurgische Verfahren nicht genügend Studien, um sichere Aussagen über die Ergebnisse treffen zu können. Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertung unseres Vertrauens in die Ergebnisse ausschließlich auf Studien beruhte, in denen die Teilnehmenden den Gruppen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, und keine Beobachtungsstudien einbezog.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?
Diese Evidenz ist auf dem Stand von Juni 2024.

Kiesswetter E, Gorenflo L, Schwarzer G, Stadelmaier J, Wallerer S, Marjanovic G, Fink JM, Lehane C, Metzendorf MI, Meerpohl J, Schwingshackl L

Kann das Training mit Gehirn-Computer-Schnittstellen die Bewegungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Aktivitäten nach einem Schlaganfall verbessern?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Ein Training der Gehirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-computer-interface, kurz: BCI) kann die Armbewegung möglicherweise etwas verbessern, hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegung. Es ist sehr ungewiss, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft.

  • Im Vergleich zu einem „Schein“-BCI (unechten BCI) hat das BCI-Training möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Bewegungsfähigkeit oder die Alltagsaktivitäten.

  • Es sind größere, gut konzipierte Studien erforderlich, um die tatsächlichen Nutzen und Schäden des BCI-Trainings zu bestätigen.

Was ist eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (engl. brain-computer interface; BCI)?

Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) ist eine Technologie, die eine direkte Verbindung zwischen dem Gehirn und einem externen Gerät herstellt. Dabei werden normalerweise Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um die Gehirnsignale zu erfassen, die entstehen, wenn eine Person sich eine Bewegung vorstellt oder versucht sie auszuführen.

Wie wird BCI nach einem Schlaganfall eingesetzt?

Nach einem Schlaganfall leiden Betroffene häufig unter Muskelschwäche oder Bewegungsausfällen. Beim BCI-Training werden die Gehirnsignale erfasst, die entstehen, wenn eine Person eine Bewegung beabsichtigt. Die Signale werden dann in Echtzeit in ein Feedback umgewandelt. Zum Beispiel erkennt das BCI, wenn der Patient daran denkt, seine Hand zu bewegen. Es löst daraufhin eine Bewegung eines Roboterhandschuhs aus, die Hand zu bewegen, oder stimuliert die Muskeln elektrisch, sodass sich die Hand bewegt. Dieses Feedback erfolgt genau in dem Moment, in dem die Person versucht, die Bewegung auszuführen. Das trägt vermutlich dazu bei, das Gehirn „neu zu vernetzen“ und die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit zu fördern.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten herausfinden, ob BCI-Training bei der Verbesserung der Arm- und Beinbewegungen sowie der Fähigkeit zur Ausübung alltäglicher Aktivitäten bei Menschen mit Schlaganfall besser ist als herkömmliche Therapien, andere aktive Behandlungen oder ein Schein-BCI (unechtes BCI). Außerdem wollten wir herausfinden, ob das BCI-Training mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, die die Wirkungen des BCI-Trainings bei Erwachsenen untersuchten, die einen Schlaganfall erlitten und infolgedessen Bewegungsschwierigkeiten hatten. Die Teilnehmenden dieser Studien hatten entweder einen Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß oder einen Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn erlitten. Die meisten befanden sich einige Monate nach dem Schlaganfall, nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte. Anschließend haben wir die Ergebnisse der Studien verglichen und zusammengefasst und unsere Zuversicht in die Evidenz bewertet, basierend auf Faktoren wie den angewandten Methoden und der Anzahl der untersuchten Personen.

Was fanden wir heraus?

Wir fanden 43 Studien mit insgesamt 1.628 Erwachsenen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Evidenz deutet auf Folgendes hin:

  • Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie kann das BCI-Training möglicherweise die Armbewegungen geringfügig verbessern (10 Studien, 611 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum bis gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (1 Studie, 64 Personen). Wir können nicht sagen, ob es bei Alltagsaktivitäten hilft (5 Studien, 282 Personen), da die Evidenz sehr unsicher ist.

  • Im Vergleich zu anderen aktiven Behandlungen kann das BCI-Training das Gleichgewicht möglicherweise leicht verbessern (6 Studien, 165 Personen), hat jedoch möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Beinbewegungen (4 Studien, 130 Personen). Bei der Armbewegung(14 Studien, 331 Personen) und der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (5 Studien, 163 Personen), sind wir nicht sicher genug, um eine eindeutige Aussage zu treffen.

  • Im Vergleich zu einem Schein-BCI, das wie das echte System aussieht und sich auch so anfühlt, aber kein echtes Feedback zu den Gehirnsignalen liefert, macht das BCI-Training möglicherweise kaum einen Unterschied bei den Armbewegungen (9 Studien, 279 Personen), den Beinbewegungen (3 Studien, 106 Personen) oder den Alltagsaktivitäten (1 Studie, 28 Personen).

Wir haben uns auch einige andere Aspekte angesehen, wie beispielsweise erhöhte Muskelspannung, Muskelkraft und die allgemeine Erholung des Nervensystems. Die Evidenz hierzu war zu ungewiss, als dass wir Schlussfolgerungen hätten ziehen können.

Wir wollten außerdem wissen ob unerwünschte Wirkungen auftraten. In vielen Studien wurde jedoch nicht darüber berichtet. In den Studien, in denen dies der Fall war, handelte es sich in der Regel um leichte Wirkungen wie Muskelkater oder Müdigkeit. Da nur sehr wenige Studien dazu ausreichende Angaben machte,können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das BCI-Training ein zusätzliches Risiko birgt.

Was schränkt die Evidenz ein?

Wir haben aus mehreren Gründen wenig bis sehr wenig Vertrauen in die Evidenz:

  • Die meisten Studien waren klein angelegt und umfassten nur wenige Teilnehmende.

  • Viele der Studien wurden so durchgeführt, dass dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Beispielsweise wussten die Teilnehmenden oft, welche Behandlung sie erhielten.

  • Die Ergebnisse variierten zudem stark von einer Studie zur anderen.

  • Schließlich wurden einige Studien, die keinen Nutzen feststellten, möglicherweise nicht veröffentlicht. Dadurch könnte das BCI-Training wirksamer erscheinen, als es tatsächlich ist.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2025.

Qin Y, Li M, Li Y, Ma M, Xu J, Lu Y, Shi X, Cui G, Zhao H, Yang K

Sollte Oxytocin, das zur Unterstützung der Geburt über die Vene gegeben wird, beendet oder weitergegeben werden, sobald die aktive Wehenphase beginnt?

4 weeks ago
Kernaussagen
  • Wenn eine Schwangere Oxytocin über eine Infusion in eine Vene erhält, um die Geburt einzuleiten oder voranzutreiben, macht es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied für die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts (Entbindung durch einen Schnitt am Bauch), ob das Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt oder bis zur Geburt des Kindes weitergegeben wird. Beide Vorgehensweisen scheinen für Mutter und Kind sicher zu sein.

  • Wenn das Oxytocin zu Beginn der aktiven Wehenphase abgesetzt wird, kann dies dazu beitragen, übermäßige Wehen zu vermeiden und die unnötige Gabe des Medikaments zu verringern. Allerdings kann sich dadurch die aktive Wehenphase möglicherweise verlängern. Dies ist jedoch sehr unsicher.

  • Ob Oxytocin weitergegeben oder abgesetzt wird, sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden. Dabei sollten die jeweilige Situation, darunter der Fortschritt der Geburt, Wehen und der aktuelle Zustand von Mutter und Kind, ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeiten zur Überwachung von Mutter und Kind und die Wünsche der Frau.

Was ist Oxytocin?

Bei Schwangeren, die kurz vor dem Geburtstermin stehen (d. h. nach der 37. Schwangerschaftswoche), ist künstliches Oxytocin ein Medikament, um die für die Wehen notwendigen Kontraktionen der Gebärmutter (Wehentätigkeit) auszulösen oder diese zu verstärken. Es wird häufig über eine Infusion in eine Vene verabreicht. Sobald die aktive Wehenphase eingesetzt hat (d. h., der Muttermund mindestens 4 cm geöffnet (dilatiert) ist und regelmäßige Wehen auftreten), geht man davon aus, dass der Körper ausreichend natürliches Oxytocin produziert, damit die Geburt weiter voranschreitet. Wenn künstliches Oxytocin auch nach Beginn der aktiven Wehenphase weiter verabreicht wird, kann dies dazu führen, dass die Wehen zu häufig oder zu stark werden. Dadurch kann das Ungeborene belastet werden und möglicherweise die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Frau einen Kaiserschnitt benötigt.

Was wollten wir herausfinden?

Wir wollten wissen, ob das Absetzen von Oxytocin nach Beginn der aktiven Wehenphase das Risiko eines Kaiserschnitts senkt und ob dies für die Mutter oder Neugeborene Vorteile oder Nachteile hat.

Wie gingen wir vor?

Wir suchten nach Studien, in denen die beiden Vorgehensweisen bei Frauen mit einer termingerechten Einlingsschwangerschaft (d. h. ein Baby, keine Zwillinge oder Drillinge) verglichen wurden, denen Oxytocin zur Einleitung oder zur Beschleunigung der Wehen verabreicht wurde, um herauszufinden, ob es besser ist:

  • das Oxytocin abzusetzen, sobald die aktive Phase der Wehen beginnt, oder

  • die Oxytocin-Gabe bis zur Geburt fortzusetzen?

Wir suchten nach Evidenz bis zum 17. November 2025. Wir haben die Studienergebnisse nach Möglichkeit zusammengefasst, um möglichst umfassende Informationen zu erhalten. Wir bewerteten, wie vertrauenswürdig jede Studie ist und wie sicher wir uns auf die Ergebnisse verlassen können, basierend auf Faktoren wie der Größe der Studien, ob sie gut konzipiert und durchgeführt wurden, sowie der Genauigkeit ihrer Ergebnisse.

Was fanden wir heraus?

Wir haben neun Studien mit insgesamt 4814 Frauen einbezogen. Die Studien fanden in Krankenhäusern in Dänemark, Frankreich, Indien, Iran, Israel, Thailand, der Türkei und den USA statt. In den Studien wurden verschiedene Definitionen der aktiven Wehenphase verwendet.

Hauptergebnisse

Das Absetzen von Oxytocin während der aktiven Phase der Wehen:

  • hat möglicherweise kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der Kaiserschnittgeburten (8 Studien, 4.710 Frauen);

  • hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Anzahl der instrumentellen Entbindungen (5 Studien, 3.776 Frauen); und

  • verringert möglicherweise das Risiko von zu häufigen oder zu starken Wehen (sogenannte Uterustachysystolie oder Hyperstimulation) (3 Studien, 1.371 Frauen);

  • allerdings verlängert es die aktive Wehenphase möglicherweise um durchschnittlich etwa 35 Minuten. Dieses Ergebnis ist jedoch sehr unsicher (8 Studien, 4.141 Frauen).

Darüber hinaus besteht zwischen der Fortsetzung und dem Absetzen von Oxytocin in der aktiven Wehenphase:

  • wahrscheinlich kein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Apgar-Scores (eine schnelle Beurteilung des Gesundheitszustands eines Neugeborenen nach der Geburt) (5 Studien, 2.096 Frauen);

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Anzeichen einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, gemessen anhand einer Untersuchung des Nabelschnurbluts nach der Geburt (6 Studien, 4.086 Frauen); und

  • kaum oder gar kein Unterschied hinsichtlich der Einweisung auf die Neugeborenenstation (7 Studien, 4.606 Frauen).

Was schränkt die Evidenz ein?

Die Zuverlässigkeit der Evidenz variierte stark. Wir waren uns hinsichtlich der Ergebnisse zu instrumentellen Geburten, einer verminderten Sauerstoffversorgung des Kindes vor der Geburt, sowie zur Einweisung auf die Neugeborenenstation sehr sicher. Hinsichtlich des Apgar-Scores sind wir uns moderat sicher. Bei den Ergebnissen zu Kaiserschnitt und Uterushyperstimulation waren wir etwas unsicher, bei den Ergebnissen zur Dauer der aktiven Wehenphase hingegen sehr unsicher. Einige Gründe für die Unsicherheit waren:

  • dass die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie sich befanden, d. h., ob die Oxytocin-Gabe fortgesetzt oder abgebrochen wurde, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat;

  • dass die Studien unterschiedliche Definitionen für die von ihnen berichteten Messgrößen verwendeten, wie z. B. die aktive Wehenphase, die Uterustachysystolie und die Uterushyperstimulation; und

  • dass die Dauer der Wehen bei den Schwangeren zwischen den Studien variierte.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 17. November 2025.

Boie S, Uldbjerg N, Bor P, Thornton JG, Le Ray C, Glavind J, Goffinet F, Girault A
Checked
1 day ago
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